Ludwig Emil

Ludwig Emil Grimm: Selbstportraet mit Familie

Ludwig Emil Grimm (1790–1863), der jüngere Bruder der berühmten Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, ist als Maler, vor allem aber als Zeichner und Radierer hervorgetreten und hat mit seinem Werk einen hessischen Beitrag zur Kunst der deutschen Romantik geleistet.

Schon in frühen Jahren, in denen er ohne besondere Anleitung Pflanzen, Tiere und Landschaften nach der Natur zeichnete, wurde seine künstlerische Begabung deutlich, die ihm ab 1805 zu einer ersten Ausbildung an der Kasseler Kunstakademie verhalf. Wichtige Anregungen und nachhaltige Förderung erfuhr der junge Künstler durch längere Aufenthalte in Heidelberg und Landshut (1808/1809), die ihn mit führenden Köpfen der romantischen Bewegung in Deutschland persönlich bekannt machten (Achim v. Arnim, Clemens Brentano, Joseph Görres; Savigny-Kreis). Von 1809 bis 1814 studierte er in München, wo er durch den Kupferstecher Carl Ernst Christoph Heß (1755–1828) in die Grundlagen der Druckgraphik eingeführt wurde. Nach seiner Teilnahme am Feldzug gegen Frankreich (1814) und einer dreimonatigen Italienreise (1816) ließ sich Ludwig Emil Grimm 1817 als freier Künstler in Kassel nieder. 1828 nahm er mit Begeisterung am Dürer-Fest in Nürnberg teil, das er als einen Höhepunkt in seinem Leben betrachtete. In diese Zeit fällt auch seine gemeinsame künstlerische Arbeit mit dem befreundeten Maler Gerhardt von Reutern (1794-1865) in Willingshausen (Schwalm), die den Beginn der gleichnamigen Künstlerkolonie markiert. Erst 1832, im Alter von 42 Jahren, gelang es ihm, eine Anstellung als Lehrer an der Kunstakademie zu erhalten. Im gleichen Jahr heiratete er die Tochter des Kasseler Akademie-Malers Wilhelm Böttner (___–1805) und lebte bis zu seinem Tode im Böttnerschen Haus an der Kasseler Bellevue. Er liegt auf dem Kasseler Hauptfriedhof begraben.

Ludwig Emil Grimm hat nicht nur das Leben seiner berühmten Brüder Jacob und Wilhelm, mit denen er viele Jahre in Steinau und Kassel in engster familiärer Verbundenheit zusammenlebte, zeichnerisch begleitet und von innen heraus anschaulich gemacht. Er stellt vor allem mit seinen Zeichnungen und seinen fein gearbeiteten Radierungen eine Künstlerpersönlichkeit dar, die heute auf ein wachsendes Interesse stößt. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens steht aber nicht die intellektuelle Durchdringung und reflektierende Verarbeitung der von ihm beobachteten Wirklichkeit, sondern eine romantisch artikulierte Schönheit der Natur, verbunden mit einer ebenso romantisch bestimmten Rückbesinnung auf die „altdeutsche“ Kunst. „Ich verlange alles treu nach der Natur, ohne eigenen Zweck, ohne alle Manier“ –, heißt es in den Lebenserinnerungen des Künstlers.
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Nicht nur seine Vorliebe für das Volkstümliche und sein Streben nach der Wiedererweckung des Mittelalters, sondern auch seine „Andacht zum Unbedeutenden“ verbinden ihn mit seinen Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm. Sein Werk, das aus nur etwa 30 Gemälden, jedoch über 2000 gezeichneten und radierten Blättern besteht, ist daher nur wenig der Historien- und Mythenmalerei der Zeit wirklich verpflichtet, obwohl er sich als reifer Künstler selbst formal und thematisch deutlich in die Nähe der Nazarener gestellt hat. Vielmehr erscheinen immer wieder Steinau und Kassel als Bezugspunkte seiner Welt, und in seinen Landschaften und Naturstudien zeigt sich eine ausgeprägte Natur- und Heimatliebe. In seinen Porträt- und Genredarstellungen zeichnet er ein lebendiges Bild seiner Zeit. Und in seinen Karikaturen und Skizzen nimmt er humorvoll sich und seine Umgebung aufs Korn.

Romantisches Weltgefühl und romantische Geschichtsverklärung verbinden sich mit sachlicher Nüchternheit und darstellerischer Zuverlässigkeit zu einem Werk von großer Eindringlichkeit, dessen Platz in der Kunst der deutschen Romantik noch deutlicher bestimmt werden muß.