Wer waren die Brüder Grimm?

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm wurden 1785 und 1786 im hessischen Hanau geboren. 1791 zog die Familie Grimm nach Steinau. Dort wurde ihr Vater „Amtmann“; so wurden früher Landräte und Richter genannt. In Steinau gingen Jacob und Wilhelm auch zur Schule. Ihr Lehrer hieß Zinkhahn. Gewohnt haben sie im Amtshaus, das bis heute erhalten ist.

Der Vater der Brüder starb 1796. Jacob und Wilhelm zogen 1798 nach Kassel. Hier besuchten sie das Gymnasium, das damals „Lyceum Fridericianum“ hieß. Die Mutter und die übrigen vier Geschwister blieben in Steinau. Nach dem Ende ihrer Schulzeit gingen Jacob und Wilhelm nach Marburg, um dort Rechtswissenschaft zu studieren.

In Marburg begannen sich Jacob und Wilhelm für die deutsche Sprache und Literatur zu interessieren. Sie wohnten zusammen in einem Haus in der Barfüßerstraße, das heute noch steht. 1806 kehrten sie nach Kassel zurück.

Hier fingen sie an, Volkslieder, Märchen und Sagen zu sammeln. Zu dieser Zeit (1806/07) wurde Kassel von den Franzosen erobert, und der französische Kaiser Napoleon machte seinen Bruder Jérôme zum König in Kassel. Die Familie Grimm wohnte in der Kasseler Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Jacob arbeitete als Bibliothekar von König Jérôme. Oft mußte er zu Fuß zur Residenz des Königs nach Schloß Wilhelmshöhe laufen. Das gefiel Jacob gar nicht! Wilhelm war oft krank und fand daher keine Arbeit.

1812 erschienen die von beiden Brüdern gesammelten Märchen als Buch. Fast alle Menschen auf der Welt kennen heute „Dornröschen“, Schneewittchen“, „Hänsel und Gretel“ und viele andere Geschichten. Die Märchen der Brüder Grimm wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt.

Nachdem die Franzosen 1813 Kassel verlassen mußten, arbeiteten Jacob und Wilhelm Grimm an der Landesbibliothek. Wilhelm heiratete 1825 Dortchen Wild; sie bekamen drei Kinder. Jacob blieb unverheiratet, lebte aber weiter im Haushalt seines Bruders. Einige Häuser, in denen die Brüder Grimm wohnten, gibt es noch heute, z. B. die „Torwache“ am Beginn der Wilhelmshöher Allee oder das Haus Nr. 9 an der „Schönen Aussicht“.

1829 gingen die Brüder Grimm an die Universität Göttingen, wo sie als Bibliothekare und Professoren arbeiteten. Sie wohnten in der „Allee Nr. 6“. Aber schon nach weinigen Jahren mußten sie Göttingen wieder verlassen, weil sie zusammen mit fünf anderen Professoren gegen den neuen König von Hannover und dessen Politik protestierten. Sie kehrten nach Kassel zurück, wo sie bei ihrem jüngeren Bruder Ludwig Emil wohnten.

Der neue König von Preußen holte die Brüder Grimm 1840 an die Akademie der Wissenschaften nach Berlin. Dort arbeiteten sie vor allem an ihrem großen „Deutschen Wörterbuch“. 1859 starb Wilhelm, 1863 Jacob Grimm. Sie wurden 73 bzw. 78 Jahre alt. Da sich die Brüder Grimm nie trennen wollten, wurden sie auch Seite an Seite auf dem alten Matthäi-Friedhof in Berlin begraben.