Märchen

Märchenkalender 2023 erschienen

Auch für das nächste Jahr hat die Brüder Grimm-Gesellschaft wieder einen attraktiven Märchenkalender herausgegeben, diesmal im quadratischen Format (30 x 30 cm). Aus den Publikationen des jüdischen Verlages Molling in Hannover, den die Nationalsozialisten 1939 "arisierten", haben wir zwölf zauberhafte Bilder des bedeutenden Jugendstilkünstlers Hanns Anker (1873–1950) ausgewählt, und zwar jeweils drei zu den Märchen von "Frau Holle", "Rotkäppchen", "Aschenputtel" und "Dornröschen". Der Kalender kann für 9,80 Euro im Grimm-Zentrum Kassel erworben werden; für den Versand fallen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft 4,79 Euro zusätzlich an. Das Gesamtwerk des Künstlers, der im nächsten Jahr 150 Jahre alt werden wird, wollen wir hinkünftig noch in einer größeren Ausstellung würdigen. bl

Ausstellung in Schwabmünchen verlängert !!!

Unsere große Ausstellung über "Die Märchen der Brüder Grimm in Geschichte und Gegenwart" im Museum zu Schwabmünchen haben wir bis zum 30. September 2022 verlängert. Auf mehr als 300 Quadratmetern auf drei Etagen zeigen wir dort nicht nur die Vorgeschichte und die Quellen
der Grimmschen Sammlung von der Antike bis in das ausgehende 18. Jahrhundert, sondern auch ihre Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart. Dazu haben wir in den oberen Geschossen des Hauses noch einen besonderen Raum zur japanischen Märchen- und Sagentradition und einen weiteren zur weltweiten Rezeption der „Kinder- und Hausmärchen“ gestaltet. Ergänzt wird die Schau durch lebensgroße Märchen- und Manga-Figuren und einen vom Kulturbüro Schwabmünchen unter der Leitung von Doris Hafner ausgeschriebenen Wettbewerb für Kinder und Jugendliche mit schon jetzt großer Resonanz. Schwabmünchen erreicht man mit dem Auto gut von der Autobahn Augsburg-München; Regionalzüge fahren etwa 20 Minuten vom Hauptbahnhof Augsburg nach Schwabmünchen oder etwas länger vom Hauptbahnhof München.

Drei Ausstellungen in Kassel gleichzeitig

Gleich dreimal präsentiert sich die Brüder Grimm-Gesellschaft diesen Sommer in Kassel:

Im Brüder Grimm-Zentrum am Brüder Grimm-Platz 4 zeigen wir die Ausstellung "Platz für Grimm ?! – Denkmale, Märchenbrunnen und Parkanlagen in Deutschland" im Blick auf die anstehende Neugestaltung des Brüder Grimm-Platzes (des früheren Wilhelmshöher Platzes), wo die Brüder Grimm von 1814 bis 1822 gewohnt haben und wo zahlreiche ihrer monumentalen Werke erarbeitet worden sind. Gezeigt werden zum einen der erhaltene Plan der Grimmschen Wohnung aus einem Brief Wilhelm Grimms vom Mai 1814, zahlreiche Porträts und Ansichten des Malerbruders Ludwig Emil Grimm sowie Handexemplare von Veröffentlichungen, zum anderen aber auch Dokumente und Bilder von Brunnen-, Park- und Platzanlagen in ganz Deutschland, die einen Bezug zu den Brüdern Grimm bzw. zu ihren Märchen haben. Ausführlich wird z.B. die große Anlage des Märchenparks Friedrichshain in Berlin (1913) dokumentiert oder der Dorothea Viehmann-Park in Niederzwehren. Kritisch wird die Vermarktung und unzulässige Verortung des Grimmschen Märchenwerkes am Beispiel vom "Sneewittchen" und "Frau Holle" dargestellt.

Im Schuh-Geschäft Schäfer in der Oberen Königsstraße zeigen wir zwischen Schuhen und Stiefeln Dokumente und Illustrationen zu dem Märchen "Der Gestiefelte Kater". In deutscher und englischer Sprache würdigen wir dabei die Überlieferungsgeschichte von den Italienischen Dichtern Straparola und Basile über den französischen Schriftsteller Charles Perrault bis zu Ludwig Tieck und den Brüdern Grimm. Aus aller Welt zeigen wir in den Schaufenstern illustrierte Ausgaben, dabei selbstverständlich auch arabische und israelische Beispiele!

Im Kreishaus Kassel ist eine erheblich erweiterte Fassung unserer Ausstellung zur ukrainischen Märchen und Sagentradition zu sehen; dazu haben wir ein instruktives Faltblatt herausgegeben. In diesen schrecklichen Zeiten des russischen Agressions- und Vernichtungskrieges gegen die Ukraine müssen wir dem menschenverachtenden Narrativ des Kriegsverbrechers Putin und seiner Oligarchen auch geistig entgegentreten.

Führungen durch die Ausstellungen können über das Telephon 0561-103235 oder über die E-Mail grimm.museum@gmail.com bei uns bestellt werden. Nach vorheriger Vereinbarung sind im Brüder Grimm-Zentrum Kassel am Brüder Grimm-Platz 4 auch Besichtigungen und Führungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten, ggf. auch am Abend und an den Wochenenden, möglich. bl

Ukrainische Märchen und Sagen

Die Brüder Grimm-Gesellschaft hat für das laufende Jahr ein umfangreiches Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm vorbereitet; nach dem Überfall Putins auf die Ukraine stellen wir aus Solidarität mit den Menschen dort nunmehr ein neues Ausstellungsprojekt über "Ukrainische Märchen und Sagen" an den Anfang.

Die ukrainische Sprache und Literatur gehört zusammen mit dem Russischen und dem Weißrussischen (= Belarussischen) zu den drei großen ostslawischen Kulturen, die ihren Ausgangspunkt in der sog. "Kiewer Rus'" (ukrainisch = Київська Русь; nicht mit "Kiewer Rußland" zu übersetzen!) im 9. und 10. Jahrhundert hat.

Nach dem verheerenden Mongolensturm im 13. Jahrhundert hatte die Ukraine eine sehr wechselvolle Geschichte, die immer wieder von verschiedenen Mächten – u.a. Litauen und Polen, das moskowitische und später das Petersburger Rußland, das osmanische Reich, die k.k. Monarchie Österreich-Ungarn, Sowjetdiktatur und Nationalsozialismus – dominiert und überlagert wurde. 

Dennoch hat sich über die Jahrhunderte hinweg die ukrainische Sprache und Kultur entwickelt und vor allem im 19. Jahrhundert eine Wiedergeburt erfahren, die mit dem großen Nationaldichter Taras Hryhorovyč Ševčenko (1814–1861; dt. Schreibweise: Taras Schewtschenko) verbunden ist.

Die Brüder Grimm-Gesellschaft verfügt in ihren Sammlungen über zahlreiche (reich illustrierte) Ausgaben ukrainischer Märchen und Sagen, aber auch über ukrainische Übersetzungen der "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm. Aktuell werden diese Materialien gesichtet und für eine Kabinett-Ausstellung vorbereitet – ein ganz kleiner Beitrag zur Unterstützung der Menschen in der von Krieg und Zerstörung bedrängten Ukraine!

За вільну і незалежну Україну!

Ausstellung in Garmisch (Unglaublich!)

Die Brüder Grimm und ihre Märchen sind ab sofort im Museum Aschenbrenner in Garmisch-Partenkirchen zu sehen. Ausgestellt haben wir dort im ersten Raum die Porträtbüsten von Jacob und Wilhelm Grimm, geschaffen von ihrem Neffen Carl Hassenpflug, sowie verschiedene handschriftliche Dokumente, Ansichten ihrer Wirkungsorte und wichtige Porträts. Der zweite Raum ist dann ganz den Märchen und ihrer bildnerischen Rezeption gewidmet; präsentiert werden die wichtigsten Künstler von Ludwig Emil Grimm, George Cruikshank, Eugen Napoleon Neureuther, Moritz v. Schwind, Walter Crane u.a. bis zu Otto Ubbelohde, Ruth Koser-Michaels und Werner Klemke. Besonderer Raum eingeräumt ist den Münchner Bilderbogen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert und dem Jugendstil in Deutschland mit der erstmaligen vollständigen Präsentation des zehn Meter langen Märchenfrieses von Gertrud Pfeiffer-Kohrt. In großen Hochvitrinen werden monographisch die Märchen "Aschenputtel", "Dornröschen", "Sneewittchehn", "Hänsel und Gretel","Rotkäppchen", "Der Froschkönig" und "Rumpelstilzchen" mit zahlreichen Exponaten vorgestellt. Da es unter der Zugspitze schon tüchtig geschneit hat, ist natürlich auch "Frau Holle" zu sehen. Speziell für Kinder wurde in der Mitte der Ausstellung ein besonderer Raum für das Erzählen und für museumspädagogische Projekte eingerichtet. Ein Faltblatt zur Ausstellung kann man unter der Adresse https://www.museum-aschenbrenner.de/sonderausstellungen/ herunterladen.

Auf die Plätze, fertig, los! Neue Ausstellung!

Die Brüder Grimm-Gesellschaft hat die Corona-Zeit für ein neues Projekt genutzt und zeigt vom 23. Juli bis zum 10. Oktober 2021 in ihren Ausstellungsräumen am Kasseler Brüder Gtimm-Platz 4 eine vergleichende Ausstellung zur deutschen und japanischen Märchentradition. Präsentiert werden u.a. wertvolle auf sog. "Schrumpfpapier" (jap.: "Chirimenbon") gedruckte, mit wunderbaren Farbholzschnitten ausgestattete Ausgaben japanischer Märchen, die seit 1885 für den westlichen Markt produziert wurden, – darunter die Märchen von "Momotaro", dem "Hasen von Inaba", dem "Kampf der Krabe mit dem Affen" oder "Kachikachiyama" mit der Geschichte vom Hasen und dem Dachs. Aus der Grimmschen Märchensammlung sind herausragende Stücke zu dem "Wettlauf von Hase und Igel", den "Bremer Stadtmusikanten" oder dem "Tapferen Schneiderlein" zu sehen. Kurios ist eine japanische Ausgabe vom Wolf und den sieben Geißlein aus dem Jahr 1889, die die Protagonisten des Märchens im japanischen Yukata und im Kimono auftreten läßt. Die Ausstellung umfaßt etwa 150 Dokumente vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Auch die persönliche Begegnung Jacob Grimms mit Vertretern der japanischen Handelsdelegation, die 1862 Berlin besuchte (siehe dazu auch den ausführlichen Artikel von Yoshiko Noguchi im Jahrbuch der Brüder Grimm-Gesellschaft 19-20, Kassel 2019), wird in der Ausstellung dokumentiert. Parallel zur Ausstellung haben wir einen märchenhaften Wettbewerb in verschiedenen Schulen durchgeführt, deren beste Arbeiten im Herbst mit Preisen ausgezeichnet werden sollen. Öffnungszeiten: Mo-Fr von 10 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung. (bl)

Der Vorhang öffnet sich wieder!

Unsere Ausstellung zu dem Märchen vom "Gestiefelten Kater" im Dorfmuseum Oedelsheim an der Weser konnte im letzten Jahr coronabedingt nur kurze Zeit für das Publikum geöffnet werden. Jetzt geht es weiter, und wir hoffen, daß wir mit unseren Exponaten auch etwas gegen die Pandemie tun können! Gleichzeitig haben wir am Brüder Grimm-Platz in Kassel zahlreiche weitere Dokumente und Kunstwerke zum "Gestiefelten Kater" zusammengetragen, die wir hinkünftig bei weiteren Ausstellungen, Vorträgen und (wenn die Finanzen das zulassen) auch in einer kleinen Publikation vorstellen werden.

Brüder Grimm-Journal Heft 11 / 2021

Titel BGJ

In diesen Tagen ist unser neues Brüder Grimm-Journal mit wiederum 48 Seiten und vielen farbigen Illustrationen in den Druck gegangen und wird dann im Mai an unsere Mitglieder als Jahresgabe verschickt. Es kostet nach wie vor nur fünf Euro und kann gerne bei unserer Geschäftsstelle bestellt werden (zuzügl. Versand in Deutschland = 1,55 Euro; Ausland = 4,90 Euro). Das neue Heft enthält u.a. einen ausführlichen Bericht über unsere große Märchenausstellung in Flandern aus Anlaß des 200. Jubiläums der ersten ausländischen Buchausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" (Amsterdam 1820), ferner einen Bericht über die elektronische Edition Grimmscher Briefwechsel, die Präsentation einer großen privaten Märchensammlung, eine umfangreiche Darstellung zur Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte des "Gestiefelten Kater" sowie zahlreiche Rezensionen zur neusteen Grimm-Literatur und kurze Berichte zu den weltweiten Aktivitäten der Brüder Grimm-Gesellschaft.

Märchenkalender 2021 · JETZT NUR 9,90 EURO!

Für das Jahr 2021 hat die Brüder Grimm-Gesellschaft wieder einen märchenhaften Kalender herausgegeben. Grundlage für die zauberhaften Bilder ist die französische Zeitschrift „Nos Loisirs“, die im Juli 1906 in Paris vom Verlag „Le Petit Parisien“ gegründet wurde und mit einigen zeitbedingten Unterbrechungen bis Januar 1940 erschien. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erschienen hier als Beilagen für Kinder auf einfachem Zeitungspapier im Format 42 x 29,6 cm reich illustrierte Hefte mit dem Titel „Les beaux contes“ (Die schönsten Märchen). Geschaffen hat sie der italienische Maler Alfredo Vaccari, der am 16. April 1877 in Turin geboren wurde. Er studierte zunächst an der Brera in Mailand, später machte er sich vor allem als Tiermaler einen Namen. In Italien und später in Paris sicherte er sich seinen Broterwerb durch Beiträge für Sport- und Freizeitmagazine. Er verstarb am
22. September 1933 in Turin. Der Kalender umfaßt zwölf großformatige Märchenbilder im Format A3 und stellt ein schönes Beispiel für die deutsch-französische Märchentradition dar. Er kann zum Preis von jetzt nur noch 9,90 Euro über die Adresse shop@grimms.de direkt bei der Brüder Grimm-Gesellschaft bestellt werden.

Die Brüder auf Schloß Alden Biesen in Belgien

Aus Anlaß der ersten niederländischen Ausgabe der „Kinder-und Hausmärchen“ der Brüder Grimm (1820 – 2020) zeigt die Brüder Grimm-Gesellschaft vom 1. Juli bis 30. August 2020 eine große Brüder Grimm-Ausstellung im Deutschordensschloß zu Alden Biesen (Belgien).

Vor 200 Jahren (1820) erschien zu Amsterdam unter dem Titel „Sprookjes Boek voor Kinderen“ (Märchenbuch für die Kinder) die erste niederländische Ausgabe der berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm; es war zugleich die überhaupt erste ausländische Buchausgabe der Grimmschen Märchen, und sie enthielt – fünf Jahre vor der sog. „Kleinen Ausgabe“ in Deutschland mit den sieben bekannten Bildern von Ludwig Emil Grimm (1825) – bereits vier ganzseitige Illustrationen eines unbekannten Künstlers.

Aus diesem Anlaß präsentiert die in Brüder Grimm-Gesellschaft diese große Ausstellung in niederländischer und deutscher Sprache, die zum einen das Leben und Wirken der Kasseler Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, zum anderen die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ihrer Märchensammlung mit mehr als 250 Exponaten darstellt.

Die im 13. Jahrhundert gegründete Deutschordensballei Alden Biesen – in der belgischen Provinz Limburg gelegen – bildet mit dem aus dem Renaissance stammenden mächtigen Schloß den geeigneten Rahmen für die Märchenwelt der Brüder Grimm. Das Deutschordensschloß Alden Biesen im Ortsteil Rijkhoven der heutigen Stadt Bilzen ist eines der größten Schlösser zwischen Loire und Rhein.

Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sind weltbekannt. Bis heute lassen sich Übersetzungen in mehr als 180 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile nachweisen. Die Gesamtauflage aller Einzel-, Teil- und Gesamtausgaben dürfte inzwischen die Milliardengrenze weit überschritten haben. Die Grimmsche Märchensammlung ist damit neben der Luther-Bibel das meistverbreitete und meistübersetzte Buch der deutschen Kulturgeschichte. Auf Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft wurde die Grimmsche Sammlung 2005 in das „Weltdokumentenerbe“ der Unesco aufgenommen. Im Antrag schrieb dazu der Geschäftsführer und Museumsleiter der Brüder Grimm-Gesellschaft: „Die Kinder- und Hausmärchen gleichen einem Hohlspiegel, der eine durch mehrere Kulturen geprägte Märchentradition einfängt, in neuer Form zusammenfasst, bündelt und so zurückstrahlt, daß eine neue Tradition daraus erwächst und, gebunden an das Werk, weltweite Wirkung entfaltet. Die internationale Verbreitung der Grimmschen Märchen ist ein Ausweis ihres exemplarischen Charakters, der – in der deutschen Romantik verwurzelt – die Poesie der menschlichen Vorstellungswelt in universell gültiger Form ergriffen und niedergelegt hat“ (Bernhard Lauer, 2004).

Seit mehr als einhundert Jahren sammelt die Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel aus der ganzen Welt Zeugnisse zu Leben, Werk und Wirkung von Jacob und Wilhelm Grimm. Die Ausstellung im Deutschordensschloß zu Alden Biesen zeigt daraus in ihrem ersten Teil das in einer beispiellosen brüderlichen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft vollbrachte Wirken der Kasseler Sprachforscher und Märchensammler. Präsentiert werden historische Dokumente und bildliche Zeugnisse, teils geschaffen von dem jüngeren Bruder Ludwig Emil Grimm, der sich als Zeichner und Maler einen Namen gemacht hat. Im zweiten Teil der Ausstellung wird mit zahlreichen wertvollen illustrierten Ausgaben, Zeichnungen und graphischen Blättern, Bilderbogen, Schulwandbildern und anderen Objekten ein repräsentativer Querschnitt durch die wunderbare Märchenwelt der Brüder Grimm vorgestellt.

Zehn der bekanntesten Märchen der Grimmschen Sammlung (Dornröschen, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Der Froschkönig, Aschenputtel, Sneewittchern, Rumpelstilzchen, Das tapfere Scheiderlein, Rapunzel und Der Gestiefelte Kater) werden im Schloß zu Alden Biesen in ihrer spezifischen Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte in kleinen Kabinetten dargestellt. Die Ausstellung richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene und ist die erste große Märchenausstellung, die seitens der Brüder Grimm-Gesellschaft in Belgien – nach der großen Jubiläumsausstellung 1989 in Brüssel – veranstaltet wird. In diesen schwierigen Corona-Zeiten wurde für den Rundgang durch die Ausstellung im Schloß zu Alden Biesen ein spezielles Hygiene-Konzept entwickelt und auch umgesetzt.

Die Ausstellung widmet sich auch den Beziehungen der Brüder Grimm zu Flandern und den Niederlanden. Die niederländische Sprache und Literatur spielte nämlich für die Arbeiten der Brüder Grimm von Anfang an eine große Rolle und führte zu zahlreichen brieflichen und persönlichen Verbindungen zu so herausragenden Schriftstellern und Gelehrten wie beispielsweise Hendrik Willem Tydeman (1778–1863), Jacobus Scheltema (1767–1835), Willem Bilderdijk (1756–1831), Joast Hiddes Halbertsma (1789–1869), Jan Frans Willems (1793–1846), Willem Jozeph Andries Jonckbloet (1817–1885) und Matthias de Vries (1820–1892). Umgekehrt kam eben schon sehr früh eine erste niederländische Teilübersetzung der „Kinder- und Hausmärchen“ 1820 unter dem Titel „Sprookjes-Boek voor Kinderen“ in Amsterdam herauskam. Seither ist die Grimmsche Märchensammlung in vielfältiger Weise in den Niederlanden und in Belgien verbreitet und hat hier insbesondere auch das Interesse zahlreicher Künstler gefunden. 1834 gab Jacob Grimm überdies sein mehr als 700 Seiten umfassendes Buch über „Reinhart Fuchs“ (Berlin 1834) heraus, in dem er u.a. auch die niederländische Version „Van den Vos Reinaerde“ abdruckte. Im September 1834 reiste er dann selbst, „nach thierfabeln begierig“, nach Brüssel und entdeckte dort unter Handschriften der Burgundischen Bibliothek“ die mittellateinische Tierfabel „Ecbasis captivi“„ (d.i.: „Flucht eines Gefangenen“). Diese gab er zusammen mit Andreas Schmeller in dem Sammelband „Lateinische Gedichte des X. und XI. Jahrhunderts“ (Göttingen 1838) heraus.

Ausstellung: Brüder Grimm-Gesellschaft
Konzept: Dr. Bernhard Lauer
Organisation Kassel: Martin John und Maia Schillmann
Organisation in Berlin: Patricia Vincent und Patrick Cornelissen

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