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Antiquariat "Fróði fornbókabúð"

Auf Reisen sind viele Mitglieder und Freunde der Brüder Grimm-Gesellschaft immer auf der Suche nach fremdländischen, alten und/oder seltenen Ausgaben der Grimmschen "Kinder- und Hausmärchen". Im isländischen Akureyri hat Daniel Stein, Mitglied des Wissenschaftlichen Rats der Brüder Grimm-Gesellschaft, einen seltenen Fund gemacht. Hier sein Bericht:

"Das Antiquariat „Fróði fornbókabúð“ sah aus, wie man es von einem Antiquariat erwartet: meterhoch getürmte Bücherstapel und alle Wände bis unter die Decke gefüllt mit Regalen. Mittendrin saß die Antiquarin und blätterte in einem Katalog. Anstatt selbst nach den "Ævintýri", wie Märchen auf Isländisch heißen, zu suchen, fragte ich die Dame hinter dem Tresen. Sie erhob sich, lief nachdenklich um einige Stapel herum, kam schließlich direkt neben mir zum Stehen und nahm das oberste Buch von einem Stapel - direkt neben meiner Hand: „Mjallhvít: ævintýri handa börnum með seytján myndum“. Das war das einzige Märchen-Exemplar in der ganzen Buchhandlung."

Und wie sich später herausstellte, handelt sich um die erste fast vollständige Ausgabe in isländischer Sprache; in deutschen Sammlungen verfügt nur die Universitätsbibliothek Kiel über ein vergleichbares Exemplar, dieses ist jedoch unvollständig und nur in einer späteren Auflage vorhanden.

Reisen Sie gerne in exotische Länder? Helfen Sie uns, unsere Sammlung zu erweitern! Spenden Sie uns antiquarische oder neue Ausgaben von Grimms Märchen aus aller Herren Länder - wir freuen uns, Ihre Geschichten und Bücher auf unseren Seiten zu veröffentlichen. Wollen Sie wissen, ob wir eine Ausgabe in einer bestimmten Sprache schon vorliegen haben? Kontaktieren Sie uns über info@grimms.de oder über das Kontaktformular.

Märchenhafte Ausstellung

Aschenputtel

In Bickenbach an der hessischen Bergstraße präsentiert die Brüder Grimm-Gesellschaft im "Museum im Kolbschen Haus", einem Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert, ab dem 28. November 2015 bis April 2016 die Ausstellung "Die Märchenwelt der Brüder Grimm". Im Mittelpunkt der auch für Kinder geeigneten Ausstellung stehen die Märchen "Dornröschen", "Aschenputtel", "Der gestiefelte Kater", "Rumpelstilzchen", "Rotkäppchen" und "Frau Holle". Gezeigt werden Illustrationen des 19. und 20. Jahrhunderts sowie historische Buchausgaben und Märchenspiele. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine kompakte Zusammenstellung der Biographie der Brüder Grimm. Von dem äußerst rührigen Museumsverein werden begleitend museumpädagogische Veranstaltungen angeboten.

Sonderausstellung: Moderne Märchenbilder aus Argentinien

Der Wolf Tecnica Mixta Sobre Papel 50 X 30 Cm Klein2015

Sonderausstellung im Schloß zu Steinau an der Straße
Eröffnung am 16.8.2015 um 14 Uhr 30

Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sind weltbekannt und wurden bis heute in mehr als 170 Sprachen übersetzt. Seit 1816 lassen sich fremdsprachige Ausgaben, zuerst in Dänemark und Holland, nachweisen. 1823 erschien in London die erste englische Teilausgabe unter dem Titel „German Popular Stories“ mit Illustrationen von George Cruikshank, nach diesem Vorbild 1824 die erste französische Ausgabe. Ins Spanische wurden die Grimmschen Märchen erst relativ spät übertragen. 1863 erschien in Paris eine Sammlung von neunzehn Märchen verschiedener Autoren unter dem Titel „Cuentos para niños por Grimm y otros autores“ mit dreizehn Grimmschen Texten. Eine umfangreichere Ausgabe erschien um 1867 in Madrid und enthielt 47 Märchen. Die erste Gesamtausgabe der Grimmschen Märchen auf der iberischen Halbinsel erschien in einer katalanischen Übersetzung; der Dichter und Übersetzer Carles Riba (1893–1959) veröffentlichte zwischen 1919 und 1921 in Barcelona seine „Contes d‘infants i de la llar“. Die erste und bisher einzige Gesamtausgabe in spanischer Sprache kam erst 1955 heraus und wurde von dem Philologen Francisco Payarols besorgt.

Für die Verbreitung der Grimmschen Märchen sowohl in Spanien als auch in Lateinamerika waren die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Calleja-Verlag erscheinenden speziell für Kinder adaptierten Ausgaben von großer Bedeutung. Eigenständige argentinische Ausgaben kamen erst später auf den Markt; die Argentinische Nationalbibliothek weist ab 1940 einige Einzelausgaben nach.

Sammlungen volkstümlicher „argentinischer“ Erzählstoffe sind ebenfalls erst im 20. Jahrhundert zu finden. Diese beruhen überwiegend auf der Forschungstätigkeit des „Consejo Nacional de Educación“ (Nationalrat für Bildung), der die Lehrkräfte des Landes aufforderte, volkskundliches Material zusammenzutragen. In den mehr als 2.000 gesammelten Märchen haben sich allerdings nur wenig eigenständige indigene Motive erhalten; meist handelt es sich um religiös inspiriertes Erzählgut der europäischen Kolonisatoren, das mit Sagen- und Märchenmotiven der indianischen Urbevölkerung oder der Gauchos vermischt wurde. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden jedoch die Grimmschen Märchen zusehends Eingang in den argentinischen Schulunterricht und wurden auch von argentinischen Verlagen vermehrt mit Illustrationen herausgebracht.

In der Ausstellung im Schloß zu Steinau werden drei zeitgenössische argentinische Künstler präsentiert: Nicolás Menza, Maximiliano Rodriguez und Max Pedreira. Alle drei haben ihr Studium an der „Escuela Nacional de Bellas Artes“ absolviert und bereits an zahlreichen Ausstellungen weltweit teilgenommen.

Die Ausstellung ist täglich außer montags geöffnet von 10 bis 17 Uhr.

Führungsangebote und weitere Informationen erhält man im Schloß Steinau

Im Schloß 3
36396 Steinau an der Straße
Tel. 06663-6843
Fax 06663-7518
info@schloesser.hessen.de

oder bei der Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel

Brüder Grimm-Platz 4
34117 Kassel
Tel. 0561-103235
Fax 0561-713299
info@grimms.de

Grimms Märchen - Frauenliteratur?

Ruth Klüger - Frankfurter Buchmesse 2010.jpg

Die germanistische Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger wurde am 31. Oktober von der Universität Marburg mit dem Brüder-Grimm-Preis 2014 ausgezeichnet. Im Blog "Ich. Heute. 10 vor 8." der Frankfurter Allgemeinen Zeitung online ist ihre Preisrede, die sich der Frage widmet, ob es sich bei den Märchen der Brüder Grimm um "Frauenliteratur" handelt, im Wortlaut widergegeben:

Die Vorbedingung dieses Erfolgs war eine der bewundernswerten Eigenschaften der Brüder, nämlich dass sie zuhören konnten. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingt; denn sie waren Professoren, die von Beruf aus Zuhörer hatten, nicht Zuhörer waren. Und nun schon gar, Frauen ernst genug zu nehmen, um das, was diese erzählten, fleißig aufzuschreiben!

Am 21.11. veröffentlicht FAZ.NET zusätzlich einen Kommentar mit dem Titel
"Soziale Systeme - Wer erzählt hier Märchen?" von Tilman Spreckelsen, der sich kritisch mit dieser These auseinandersetzt:

So einleuchtend das ist, so verlockend die Vorstellung, die Brüder Grimm hätten durch bloßes Zuhören und Mitschreiben auch eine weibliche Perspektive verbreitet, die sonst in der Schriftkultur kaum wahrgenommen wurde - so anfechtbar sind die Prämissen, die zu dieser Vorstellung führen.

Quellen:
Uni Marburg: Verleihung des Brüder Grimm-Preises 2014 an die Autorin Ruth Klüger
WDR: Ruth Klüger mit Brüder-Grimm-Preis ausgezeichnet
Ich. Heute. 10 vor 8. (FAZ.NET): Grimms Märchen als Frauenliteratur
FAZ.NET: Soziale Systeme - Wer erzählt hier Märchen?
Foto: Ruth Klüger - Frankfurter Buchmesse 2010 von Lesekreis - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons

Neue Englische Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen

The Original Folk and Fairy Tales of the Brothers Grim

Es liegt eine neue Übersetzungen der Kinder- und Hausmärchen für die englische Sprache vor:

Jack Zipes, emeritierter Professor für Germanistik und komparative Literaturwissenschaft an der University of Minnesota ist für die neue Übersetzung verantwortlich. Er begründet seine Arbeit gegenüber dem britischen Guardian damit, dass er sich oft darüber gewundert habe, dass es keine Übersetzung der ursprünglichen ersten Auflage der Märchen gab. Also entschied er, diese Aufgabe selbst zu übernehmen:

“Though the Grimms kept about 100 of the tales from the first edition, they changed them a good deal. So, the versions with which most English-speaking (and German-speaking) readers are familiar are quite different from the tales in the first edition.”.

Quellen:
The Guardian: Grimm brothers’ fairytales have blood and horror restored in new translation
Princeton University Press: The Original Folk and Fairy Tales of the Brothers Grimm: The Complete First Edition
University of Minnesota: Website of Jack Zipes