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13.01.2011 um 11:39

Neue Grimm-Ausstellungen in Kassel

Die Rabe und die Rübe - Unbekannte Märchen der Brüder Grimm neu entdeckt

Am 18.1.2011 wurden in den temporären Schauräumen des Brüder Grimm-Muaseums Kassel zwei Ausstellungen eröffnet, die dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden können. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei.

Die neuen Schauräume befinden sich in der Oberen Königsstraße Nr. 1 (Zugang vom Brüder Grimm-Platz / Ecke Friedrichsstraße). Ein großes Schaufenster mit dem Doppelporträt der Brüder Grimm sowie verschiedenen Märchenfiguren begrüßt die Besucher.

Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sind weltbekannt. Übersetzungen und Nachdichtungen lassen sich in mehr als 160 Sprachen und Kulturdialekten aller Erdteile nachweisen. Literarische, künstlerische und andere Bearbeitungen erscheinen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens: in sprachlichen und gedanklichen Bildern, in Kinderbüchern und Kunstpressendrucken, auf Zeichnungen und Graphiken, in der Musik und im Theater, in Computerspielen und im Internet, als Redensart oder Karikatur in der Tagespresse, als Werbeslogan in politischen und kommerziellen Verlautbarungen.

Wirklich geläufig sind jedoch nur etwa zwei Dutzend Märchen, während die übrigen Erzählungen aus der 1812 und 1815 erstmals erschienenen (übrigens völlig unbebilderten) Grimmschen Sammlung einem größeren Publikum wenig oder gar nicht bekannt wurden.

Erst nach dem großen Erfolg der von George Cruikshank (1792–1878) durchgängig illustrierten ersten englischen Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ (London 1823) gaben die Brüder Grimm 1825 eine Teilausgabe ihrer Märchen in einem Band heraus, für die ihr „Malerbruder“ Ludwig Emil Grimm sieben Illustrationen lieferte.

Diese sog. „Kleine Ausgabe“ enthielt 50 ausgewählte Texte und erschien zu den Lebzeiten ihrer Herausgeber bis 1858 zehnmal. Erst damit entwickelte sich die Grimmsche Märchensammlung allmählich zu dem großen „Kinder- und Erziehungsbuch“ (Wilhelm Grimm), das man in aller Welt kennt und dessen Erfolg bis heute ungebrochen erscheint.


Unter den in dieser „Kleinen Ausgabe“ enthaltenen Texten finden sich in erster Linie die berühmten Zaubermärchen mit teils deutlichen Anklängen an die romanische Erzähltradition sowie verschiedene bekannte Schwankmärchen. Unter dem Einfluß des seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stärker werdenden Interesses der Bildenden Kunst an volkstümlichen Erzählstoffen entwickelte sich auf dieser Grundlage schließlich jener Kanon von etwa zwei Dutzend Märchen, die fortan im Mittelpunkt der weltweiten Rezeption der Grimmschen Sammlung standen und bis heute noch stehen.

In der von der Brüder Grimm-Gesellschaft entwickelten und von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziell geförderten Ausstellung „Die Rabe & Die Rübe - Unbekannte Märchen der Brüder Grimm“ werden zum einen unbekannte Aspekte in der Überlieferung und Darstellung so bekannter Märchen wie „Sneewittchen“ oder „Dornröschen“ präsentiert, zum anderen werden aber vor allem weniger bekannte Märchen behandelt, die nicht zum Kanon der weltweiten Tradition gelangten, jedoch in ihrer herausragenden poetischen Qualität neu entdeckt werden können. Neben herausragenden Text- und Bilddokumenten werden auch speziell für die Ausstellung gefertigte und künstlerisch dreidimensional gestaltete Module zu „unbekannten“ Märchen präsentiert.

Eine weitere Ausstellung stellt in kompakter Weise mit deutsch- und englischsprachiger Dokumentation das Leben und Wirken der Kasseler Märchensammler in ausgewählten Text- und Bilddokumenten vor und versteht sich vor allem als Grundinformation für Touristen, die aus aller Welt nach Kassel anreisen und die Ausstellungen im zur Zeit in Sanierung befindlichen Palais Bellevue nicht aufsuchen können.

Die Ausstellungen sind ab dem 19.1.2011 dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags bleiben die Ausstellungen geschlossen. Weitere Infos können unter Tel.: 0561-103235 oder grimm-museum@t-online.de erfragt werden. Auf Anfrage sind auch Führungen - neben Deutsch auch auf Englisch, Russisch, Französisch und Japanisch - möglich.

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