Europawoche 2021

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm
Märchensammlung, Sprachforschung, Politik
Von Hessen nach Deutschland und von Deutschland nach Europa

Ausstellung und Vortragsreihe

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gehören zu den bedeutendsten Geistespersönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte und haben mit ihren „Kinder- und Hausmärchen“ Weltruhm erlangt. Geboren in der landgräflich-hessischen Nebenresidenz Hanau und aufgewachsen in dem kleinen Landstädtchen Steinau an der Straße, haben sie nach dem Studium in Marburg die „arbeitsamste und fruchtbarste Zeit“ ihres Lebens in Kassel verbracht. In Göttingen arbeiteten sie später als Professoren und Bibliothekare, bevor sie nach Berlin an die Königliche Akademie der Wissenschaften gingen, wo sie noch zwei Jahrzehnte bis zu ihrem Tode wirkten. Ihr Lebensweg von Hanau über die Residenz Kassel der Landgrafschaft bzw. des späteren Kurfürstentums Hessen bis in die preußische und nachmalige deutsche Hauptstadt Berlin markiert ebenso wie ihr monumentales in viele Bereiche ausgreifendes Wirken den Aufstieg vom „Kleinen und Unbedeutenden“ zu großen und weitgefaßten Wissenszusammenhängen. In aller Welt bekannt wurden Jacob und Wilhelm Grimm mit ihren 1812 und 1815 erstmals erschienenen Märchen, die bis heute in über 180 Sprachen und Kulturdialekte übersetzt wurden und, meist von Illustrationen begleitet, in millionenfacher Auflage verbreitet wurden. Neben der Luther-Bibel stellt die Grimmsche Märchensammlung das bekannteste und berühmteste deutsche Buch dar.

Methodisch dachten die Brüder Grimm aber nie in den engen Grenzen ihres eigenen Landes, sondern sie haben immer auch den inneren Zusammenhang und die vielfältigen gegenseitigen Einflüsse anderer europäischer Länder und Regionen in den Blick genommen. Sie gehören zu den Gelehrten in Deutschland, die schon im 19. Jahrhundert europäisch gedacht und gehandelt haben. Das zeigt auch ihr politisches Wirken, das beseelt war von einer klaren historischen und völkerverbindenden Konzeption.

In Kassel, der Stadt ihres längsten Wirkens, pflegt die Brüder Grimm-Gesellschaft seit 1897 (mit einigen zeitbedingten Unterbrechungen) das Erbe von Jacob und Wilhelm Grimm und präsentiert in ihrem Brüder Grimm-Zentrum am Brüder Grimm-Platz – direkt gegenüber der nördlichen Torwache, in der die Geschwister Grimm von 1814 bis 1822 wohnten – das Leben und Wirken der Märchensammler und Sprachforscher im Kontext ihrer Zeit.

„Es war vielleicht gerade Zeit, diese Märchen festzuhalten, da diejenigen, die sie bewahren sollen, immer seltner werden …“, – heißt es 1812 in der Vorrede zu den Märchen der Brüder Grimm. Über zweihundert Texte haben Jacob und Wilhelm Grimm schließlich zusammengetragen, wobei sie – vornehmlich in und von Kassel aus – sowohl aus mündlicher Überlieferung als auch aus schriftlichen Quellen geschöpft haben. Während Erinnerungen und Erlebnisse aus der eigenen Kindheit für die Grimmschen Märchen- und Sagensammlungen überlieferungsgeschichtlich kaum eine Rolle spielten, kam der entscheidende Anstoß zur Beschäftigung mit der „Volkspoesie“ in ihrer Marburger Studienzeit. Hier lernten Jacob und Wilhelm Grimm bei ihrem Lehrer, dem Rechtshistoriker Friedrich Carl v. Savigny, dessen Schwager Clemens Brentano kennen, der sie mit den Bestrebungen der Heidelberger Romantik vertraut machte.

Die Brüder Grimm sind aber nicht sagen- und märchensammelnd über Land gezogen. Auch ist der Anteil der „einfachen Leute“ an ihren Märchen und Sagen eher gering. Vielmehr wurden sie von über fünfzig Märchenbeiträgerinnen und Märchenbeiträgern vor allem aus Hessen und Westfalen unterstützt, die, wie sie selbst, vornehmlich aus den gebildeteren und wohlhabenden Schichten der Gesellschaft stammten und zumeist auch jüngeren Alters waren. So erfuhren sie zahlreiche Märchen aus den Kasseler Bürgerfamilien Wild und Hassenpflug. Aus der Schwalm kamen ihnen wichtige Texte durch die Pfarrerstochter Friederike Mannel und den Pfarrkandidaten Ferdinand Siebert zu. Aus Westfalen erhielten sie bedeutende Beiträge durch die Familie der Freiherren v. Haxthausen und durch die Schwestern Annette und Jenny v. Droste-Hülshoff. Nur die Gastwirtstochter und Schneidersfrau Dorothea Viehmann aus dem bei Kassel gelegenen Dorf „Zwehrn“ kam ihrer romantischen Vorstellung einer „Märchenfrau“ aus dem Volke nahe.

Überdies haben die Brüder Grimm (und teilweise auch wohl ihre Informanten) aus schriftlichen Quellen geschöpft, aus mittelalterlichen Versnovellen und Legenden, aus Schwank- und Anekdotenbüchern, aus Tierfabelsammlungen und Wunderzeichenbüchern und auch aus literarischen Werken des 17. und 18. Jahrhunderts. Gefragt werden muß auch nach der kulturellen Zuordnung der Grimmschen Märchen in Hessen und Deutschland. „In diesen Volks-Märchen liegt lauter urdeutscher Mythus, den man für verloren gehalten“, – heißt es 1815 in der Vorrede zum zweiten Band der „Kinder- und Hausmärchen“. An gleicher Stelle wird von den „ächt hessischen“ Märchen der Dorothea Viehmann oder von dem „rein deutschen“ Ursprung der Märchen gesprochen. Aber auch den Brüdern Grimm war die enge Verwandtschaft einiger ihrer Märchen mit der romanischen Überlieferung in Italien und Frankreich bewußt. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken sind ihre Märchen im Titel nicht mit dem Attribut „deutsch“ belegt. Zwei in der Erstausgabe enthaltene Märchen, nämlich „Ritter Blaubart“ und „Der gestiefelte Kater“, haben sie später gar wieder aus der Sammlung herausgenommen, weil ihnen die Nähe zu Charles Perraults „La Barbe Bleue“ und „Le Maître Chat, ou le Chat Botté“ selbst zu offensichtlich erschien. Die besonders häufige Überschneidung vieler ihrer Märchentexte mit der romanischen Überlieferungstradition erklärt sich auch aus der Tatsache der hugenottischen Abstammung der bedeutendsten Kasseler Märchenbeiträger: Marie Hassenpflug und Dorothea Viehmann. Jedoch bei weitem nicht alle Texte der Sammlung sind italienischen oder französischen Vorbildern verpflichtet; dazu ist sie zu reichhaltig und vielschichtig. Die Märchen sind vielmehr, wie die Brüder Grimm später formulierten, „überall zu Hause“, bei allen Völkern und in allen Ländern.

Jacob und Wilhelm unterhielten fachliche und freundschaftliche Beziehungen zu vielen bedeutenden Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern ihrer Zeit aus ganz Europa und waren auch Mitglieder zahlreicher ausländischer gelehrter Gesellschaften und Akademien. Gerade weil sie die Geschichte ihres eigenen Volkes in umfassender Weise kannten, war ihr Verhältnis zu anderen Ländern und Kulturen sehr differenziert und aufgeschlossen.

„(…) so konnte nicht fehlen, dasz von unserm eigensten und unmittelbarsten standpunct aus zugleich der blick auf die uns benachbarten (…) sprachen lebhafter geworfen wurde, welchen allmählich alle die nemliche geschichtliche bedeutung und betrachtung zu theil geworden ist oder zweifelsohne werden wird. auf solche weise haben sich, wo nicht alle, doch die meisten glieder einer groszen fast unabsehbaren sprachkette gefunden, die in ihren wurzeln und flexionen aus Asien bis her zu uns reicht (…)“ – schreibt Jacob Grimm 1851. Und Wilhelm Grimm schrieb 1843: „Wie kein einzelner Mensch, so kann auch kein Volk für sich bestehen. In der Berührung mit andern entwickeln sich die besten Kräfte, wird man seiner Eigentümlichkeit erst bewußt (...). Wer sein Licht einsam brennt, kann es nicht bei dem Nachbar wieder anzünden, wenn es der Wind ausgelöscht hat (...).

Die Titel der Grimmschen Werke lesen sich denn auch wie eine weit ausgreifende europäische Kulturgeschichte, in der beinahe jedes europäische Volk mit seiner Sprache, seiner Literatur und seiner Geschichte Berücksichtigung gefunden hat. Überdies waren die Sprach- und Literaturforschungen der Brüder Grimm häufig unmittelbares Vorbild für das Entstehen nationaler Philologien und haben vor allem die Keltistik, die Romanistik, die Slawistik und sogar die Baltistik und Finno-Ugristik deutlich befruchtet. „Die wissenschaften erkennen keine grenzen“, – schrieb Jacob Grimm 1853, – „im gegentheil ihr streben geht dahin, die abgesteckten unterschiede der völker zu überschreiten und das band zu festigen, das in weitem umkreis zwischen allen geschlungen werden soll (…)“.

Zur Europawoche 2021 präsentieren wir in unseren Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen am Kasseler Brüder Grimm-Platz zum einen das europäische Wirken der Brüder Grimm, zum anderen ihre Rezeption in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft. Für die Präsentation haben wir dafür zahlreiche biographische und zeitgeschichtliche Dokumente aufgearbeitet und die Rezeption die „Kinder- und Hausmärchen“ in vielen europäischen Sprachen und Kulturdialekten mit illustrierten Ausgaben vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart dargestellt.

Da die Pandemie anhält, wird die Ausstellung für einen längeren Zeitraum bereitgehalten; weitere Informationen, insbes. zu digitalen Formaten, werden derzeit zusammengestellt und demnächst hier präsentiert. Wir danken dem Hessischen Europa-Ministerium herzlich für die uns gewährte Unterstützung. bl + mj

Brüder Grimm-Journal Heft 11 / 2021

Titel BGJ

In diesen Tagen ist unser neues Brüder Grimm-Journal mit wiederum 48 Seiten und vielen farbigen Illustrationen in den Druck gegangen und wird dann im Mai an unsere Mitglieder als Jahresgabe verschickt. Es kostet nach wie vor nur fünf Euro und kann gerne bei unserer Geschäftsstelle bestellt werden (zuzügl. Versand in Deutschland = 1,55 Euro; Ausland = 4,90 Euro). Das neue Heft enthält u.a. einen ausführlichen Bericht über unsere große Märchenausstellung in Flandern aus Anlaß des 200. Jubiläums der ersten ausländischen Buchausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" (Amsterdam 1820), ferner einen Bericht über die elektronische Edition Grimmscher Briefwechsel, die Präsentation einer großen privaten Märchensammlung, eine umfangreiche Darstellung zur Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte des "Gestiefelten Kater" sowie zahlreiche Rezensionen zur neusteen Grimm-Literatur und kurze Berichte zu den weltweiten Aktivitäten der Brüder Grimm-Gesellschaft.

Märchenwettbewerb für Olympia 2021

Pünktlich zu den Olympischen Spielen 2021 in Japan bereitet die Brüder Grimm-Gesellschaft einen kreativen Wettbewerb für Schulen mit begleitender Ausstellung vor. Dabei sollen kulturelle Bildung und sportlicher Wettkampf in einem öffentlichkeitswirksamen Umfeld verknüpft werden. Ziel des Wettbewerbs und der Ausstellung ist es, verschiedene olympische Sportarten mit konkreten Motiven aus deutschen und japanischen Märchen gestalterisch zu verknüpfen, etwa Turnen mit den „Bremer Stadtmusikanten“, Schwimmen mit dem „Froschkönig“, Laufen mit „Hase und Igel“, Werfen mit dem „Tapferen Schneiderlein“, Klettern mit „Rapunzel“ oder Rudern mit dem „Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Auch japanische Märchen mit Bezug zum Thema sollen einbezogen werden, z.B. „Momotaro, der Junge aus dem Pfirsich“ oder „Kintaro, der starke Krieger“, die sich durch körperliche Geschicklichkeit und Stärke bewähren. Der Wettbewerb richtet sich an Kinder in Deutschland und Japan, für den die Brüder Grimm-Gesellschaft verschiedene Preise (z.B. Nachprägungen des vom hessischen Landgrafen Friedrich II. gestifteten sog. „Sterntalers“, nach dem das gleichnamige Märchen benannt ist) in Aussicht stellt.

Texte und Bilder zu den Märchen findet man im Internet unter folgenden Links:

Grimms Märchen
http://grimms.de/de/content/m%C3%A4rchen-und-sagen
https://de.wikipedia.org/wiki/Grimms_M%C3%A4rchen
https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/list

Japanische Märchen
Momotaro, der Junge aus dem Pfirsich: https://de.wikipedia.org/wiki/Momotar%C5%8D
Kintaro, der starke Krieger: https://en.wikipedia.org/wiki/Kintar%C5%8D
Urashima Taro: https://en.wikipedia.org/wiki/Urashima_Tar%C5%8D
Die Krabbe und der Affe: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Crab_and_the_Monkey

Die Unterlagen zum Wettbewerb können auf Anfrage ab sofort an interessierte Schulen versandt werden.

Märchenkalender 2021 · JETZT NUR 9,90 EURO!

Für das Jahr 2021 hat die Brüder Grimm-Gesellschaft wieder einen märchenhaften Kalender herausgegeben. Grundlage für die zauberhaften Bilder ist die französische Zeitschrift „Nos Loisirs“, die im Juli 1906 in Paris vom Verlag „Le Petit Parisien“ gegründet wurde und mit einigen zeitbedingten Unterbrechungen bis Januar 1940 erschien. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erschienen hier als Beilagen für Kinder auf einfachem Zeitungspapier im Format 42 x 29,6 cm reich illustrierte Hefte mit dem Titel „Les beaux contes“ (Die schönsten Märchen). Geschaffen hat sie der italienische Maler Alfredo Vaccari, der am 16. April 1877 in Turin geboren wurde. Er studierte zunächst an der Brera in Mailand, später machte er sich vor allem als Tiermaler einen Namen. In Italien und später in Paris sicherte er sich seinen Broterwerb durch Beiträge für Sport- und Freizeitmagazine. Er verstarb am
22. September 1933 in Turin. Der Kalender umfaßt zwölf großformatige Märchenbilder im Format A3 und stellt ein schönes Beispiel für die deutsch-französische Märchentradition dar. Er kann zum Preis von jetzt nur noch 9,90 Euro über die Adresse shop@grimms.de direkt bei der Brüder Grimm-Gesellschaft bestellt werden.

Münchhausen zu Gast am Grimm-Platz

Aus Anlaß des 300. Geburtstages des "Lügenbarons" Hieronymus Carl Friedrich Freiherr v. Münchhausen (1720–1797) präsentiert die Brüder Grimm-Gesellschaft aus eigenen Beständen eine kleine, aber feine Jubiläumsausstellung. Wegen Corona ist die Ausstellung jedoch nur nach vorheriger telephonischer Anmeldung und nur mit Gesichtsmaske in kleinreen Gruppen bis max. sechs Personen zu besichtigen.

Ob unter dem Namen „Monsieur Crac“, „Baron Manx“ oder „Baron Castaña“, die Geschichten von Münchhausen sind auf der ganzen Welt bekannt. Dies ist den ursprünglichen Herausgebern Rudolf Erich Raspe (1736–1794) und Gottfried August Bürger (1747–1794) zu verdanken. Originär werden einzelne Aben-teuer in der Ich-Perspektive er-zählt, in denen mit einer scheinbar einfachen Logik Probleme gelöst werden. Darin sind immer auch Elemente von Angeberei enthalten, und es bleibt dem Zuhörer oder Leser überlassen, zu unterscheiden, was nun wahr oder gelogen ist.

Rudolf Erich Raspes Fassung von Münchhausen erschien 1785 in London. Einige Forscher vermuten, dass er vor seiner Flucht nach England (1775) Münchhausen selbst beim Erzählen seiner Geschichten zugehört hat. Dies legt die Geschichte vom Ritt auf der Kanonenkugel nahe, die auf Münchhausens Kriegserlebnisse anspielen könnte.

Neben weiteren eigenen Geschichten betrachtete Raspe auch wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen seiner Zeit, die im Verlauf der Abenteuer behandelt werden. Dabei spielten auch seine Fachgebiete eine Rolle. So macht sein Münchhausen z.B. eine Reise zur Sonne mit dem 1783 erfundenen Heißluftballon oder arbeitet mit der 1781 verbesserten Watt’schen Dampfmaschine. Eines der markantesten Abenteuer ist jedoch der berühmte Entenflug. Hier reguliert Münchhausen die Geschwindigkeit der Enten, indem er deren Hals (im Original: „valve“; deutsch: „Ventil“) fester oder leichter drückt. Dieses Verfahren soll ein Vorbild für das Steuern der Geschwindigkeit bei modernen Verbrennungsmotoren gewesen sein.

Mit dem raschen Erfolg der Geschichten kamen verschiedene Übersetzungen heraus.
Am bedeutendsten war die des Göttinger Dichters Gottfried August Bürger von 1786. In
seiner freien Rückübersetzung ins Deutsche fügte er seinen ganz eigenen Stil hinzu. Weiterhin erweiterte er das Werk um 15 Geschichten.

Beeinflusst von Herders Volks-poesie-Konzept wollte Bürger Literatur für das gesamte Volk zugänglich machen und nicht nur für Gebildete. Um dies zu erreichen, vereinfachte er viele komplexe Zusammenhänge und fügte satirische Aspekte ein. Bürger erfand für seinen Münchhausen die neue Gattung des „Spielwitzes“. Dabei verband er bekannte Darstellungen mit falschen Objekten, sodass beispielsweise Töne wie Wasser auftauen.

Es entwickelten sich zwei verschiedene Münchhausenfiguren: eine deutsche und eine englische. Während erstere sich an Bürgers Vorbild hält, orientiert sich letztere an Raspes Aufzeichnungen und passt sich dem maritimen englischen Leben an, z.B. durch zusätzliche Schiffsfahrten nach Kanada. Durch das Kombinieren beider Charaktere entwickelten sich die Geschichten zu einem der erfolgreichsten Bücher der Weltliteratur.

Heute wird Münchhausens Erbe an vielen Orten gepflegt. Umfang-reiche Bestände findet man im Münchhausen-Museum Boden-werder und in der Göttinger Universitätsbibliothek, ferner in der bedeutenden privaten Samm-lung von Bernhard Wiebel in Zürich. Im lettischen Dunte (Dunteshof) ist nach dem Ende der Sowjet-Herrschaft gar eine ganze „Münchhausen-Welt“ als Freizeitpark aufgebaut worden.

Grimm-Ausstellung in Hechingen

Vom 8. Juli bis 25. Oktober 2020 sind die Brüder Grimm im Hohenzollerischen Landesmuseum zu Hechingen zu Gast (siehe auch: www.hzl-museum.de). Die neu zusammengestellte Ausstellung zeigt in ihrem ersten Teil das in einer beispiellosen brüderlichen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft vollbrachte Wirken der Kasseler Sprachforscher und Märchensammler. Dabei wird auch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. gedacht, der für die Hechinger Hohenzollernburg eine besondere Zuneigung hegte und diese später mit beträchtlichen Mitteln ausbauen ließ; in unserer Ausstellung ist sein Porträt nach Franz Krüger zu sehen, das in 1990er Jahren aus hessischem Adelsbesitz erworben werden konnte. Friedrich Wilhelm IV. hat bekanntlich die Brüder Grimm, die 1837 wegen ihrer Teilnahme am Protest der „Göttinger Sieben“ aus dem hannoverschen Staatsdienst entlassen wurden, 1840 an die Berliner Akademie der Wissenschaften berufen. Die Ausstellung würdigt die Leistung der Brüder Grimm im europäischen Kontext mit zahlreichen wertvollen originalen Erstausgaben der Märchentradition (von Apuleius, Straparola und Basile über Charles Perrault bis zu den Brüdern und ihrer Zeit selbst) und zeigt herausragende Beispiele der Märchenillustration des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. Ein spezielles Mitmachprogramm ist den Kindern gewidmet; außerdem wird in einem besonderen Raum noch das Märchenwerk von Otto Ubbelohde vorgestellt. bl

Die Brüder auf Schloß Alden Biesen in Belgien

Aus Anlaß der ersten niederländischen Ausgabe der „Kinder-und Hausmärchen“ der Brüder Grimm (1820 – 2020) zeigt die Brüder Grimm-Gesellschaft vom 1. Juli bis 30. August 2020 eine große Brüder Grimm-Ausstellung im Deutschordensschloß zu Alden Biesen (Belgien).

Vor 200 Jahren (1820) erschien zu Amsterdam unter dem Titel „Sprookjes Boek voor Kinderen“ (Märchenbuch für die Kinder) die erste niederländische Ausgabe der berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm; es war zugleich die überhaupt erste ausländische Buchausgabe der Grimmschen Märchen, und sie enthielt – fünf Jahre vor der sog. „Kleinen Ausgabe“ in Deutschland mit den sieben bekannten Bildern von Ludwig Emil Grimm (1825) – bereits vier ganzseitige Illustrationen eines unbekannten Künstlers.

Aus diesem Anlaß präsentiert die in Brüder Grimm-Gesellschaft diese große Ausstellung in niederländischer und deutscher Sprache, die zum einen das Leben und Wirken der Kasseler Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, zum anderen die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ihrer Märchensammlung mit mehr als 250 Exponaten darstellt.

Die im 13. Jahrhundert gegründete Deutschordensballei Alden Biesen – in der belgischen Provinz Limburg gelegen – bildet mit dem aus dem Renaissance stammenden mächtigen Schloß den geeigneten Rahmen für die Märchenwelt der Brüder Grimm. Das Deutschordensschloß Alden Biesen im Ortsteil Rijkhoven der heutigen Stadt Bilzen ist eines der größten Schlösser zwischen Loire und Rhein.

Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sind weltbekannt. Bis heute lassen sich Übersetzungen in mehr als 180 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile nachweisen. Die Gesamtauflage aller Einzel-, Teil- und Gesamtausgaben dürfte inzwischen die Milliardengrenze weit überschritten haben. Die Grimmsche Märchensammlung ist damit neben der Luther-Bibel das meistverbreitete und meistübersetzte Buch der deutschen Kulturgeschichte. Auf Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft wurde die Grimmsche Sammlung 2005 in das „Weltdokumentenerbe“ der Unesco aufgenommen. Im Antrag schrieb dazu der Geschäftsführer und Museumsleiter der Brüder Grimm-Gesellschaft: „Die Kinder- und Hausmärchen gleichen einem Hohlspiegel, der eine durch mehrere Kulturen geprägte Märchentradition einfängt, in neuer Form zusammenfasst, bündelt und so zurückstrahlt, daß eine neue Tradition daraus erwächst und, gebunden an das Werk, weltweite Wirkung entfaltet. Die internationale Verbreitung der Grimmschen Märchen ist ein Ausweis ihres exemplarischen Charakters, der – in der deutschen Romantik verwurzelt – die Poesie der menschlichen Vorstellungswelt in universell gültiger Form ergriffen und niedergelegt hat“ (Bernhard Lauer, 2004).

Seit mehr als einhundert Jahren sammelt die Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel aus der ganzen Welt Zeugnisse zu Leben, Werk und Wirkung von Jacob und Wilhelm Grimm. Die Ausstellung im Deutschordensschloß zu Alden Biesen zeigt daraus in ihrem ersten Teil das in einer beispiellosen brüderlichen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft vollbrachte Wirken der Kasseler Sprachforscher und Märchensammler. Präsentiert werden historische Dokumente und bildliche Zeugnisse, teils geschaffen von dem jüngeren Bruder Ludwig Emil Grimm, der sich als Zeichner und Maler einen Namen gemacht hat. Im zweiten Teil der Ausstellung wird mit zahlreichen wertvollen illustrierten Ausgaben, Zeichnungen und graphischen Blättern, Bilderbogen, Schulwandbildern und anderen Objekten ein repräsentativer Querschnitt durch die wunderbare Märchenwelt der Brüder Grimm vorgestellt.

Zehn der bekanntesten Märchen der Grimmschen Sammlung (Dornröschen, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Der Froschkönig, Aschenputtel, Sneewittchern, Rumpelstilzchen, Das tapfere Scheiderlein, Rapunzel und Der Gestiefelte Kater) werden im Schloß zu Alden Biesen in ihrer spezifischen Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte in kleinen Kabinetten dargestellt. Die Ausstellung richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene und ist die erste große Märchenausstellung, die seitens der Brüder Grimm-Gesellschaft in Belgien – nach der großen Jubiläumsausstellung 1989 in Brüssel – veranstaltet wird. In diesen schwierigen Corona-Zeiten wurde für den Rundgang durch die Ausstellung im Schloß zu Alden Biesen ein spezielles Hygiene-Konzept entwickelt und auch umgesetzt.

Die Ausstellung widmet sich auch den Beziehungen der Brüder Grimm zu Flandern und den Niederlanden. Die niederländische Sprache und Literatur spielte nämlich für die Arbeiten der Brüder Grimm von Anfang an eine große Rolle und führte zu zahlreichen brieflichen und persönlichen Verbindungen zu so herausragenden Schriftstellern und Gelehrten wie beispielsweise Hendrik Willem Tydeman (1778–1863), Jacobus Scheltema (1767–1835), Willem Bilderdijk (1756–1831), Joast Hiddes Halbertsma (1789–1869), Jan Frans Willems (1793–1846), Willem Jozeph Andries Jonckbloet (1817–1885) und Matthias de Vries (1820–1892). Umgekehrt kam eben schon sehr früh eine erste niederländische Teilübersetzung der „Kinder- und Hausmärchen“ 1820 unter dem Titel „Sprookjes-Boek voor Kinderen“ in Amsterdam herauskam. Seither ist die Grimmsche Märchensammlung in vielfältiger Weise in den Niederlanden und in Belgien verbreitet und hat hier insbesondere auch das Interesse zahlreicher Künstler gefunden. 1834 gab Jacob Grimm überdies sein mehr als 700 Seiten umfassendes Buch über „Reinhart Fuchs“ (Berlin 1834) heraus, in dem er u.a. auch die niederländische Version „Van den Vos Reinaerde“ abdruckte. Im September 1834 reiste er dann selbst, „nach thierfabeln begierig“, nach Brüssel und entdeckte dort unter Handschriften der Burgundischen Bibliothek“ die mittellateinische Tierfabel „Ecbasis captivi“„ (d.i.: „Flucht eines Gefangenen“). Diese gab er zusammen mit Andreas Schmeller in dem Sammelband „Lateinische Gedichte des X. und XI. Jahrhunderts“ (Göttingen 1838) heraus.

Ausstellung: Brüder Grimm-Gesellschaft
Konzept: Dr. Bernhard Lauer
Organisation Kassel: Martin John und Maia Schillmann
Organisation in Berlin: Patricia Vincent und Patrick Cornelissen

15 Jahre Welterbe Grimm

Seit fünfzehn Jahren gehören die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (zuerst in zwei Bänden 1812 und 1815 in Berlin erschienen) auf Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft zum "Weltdokumentenerbe" der Unesco. Sie wurden auf der am 17. Juni 2005 in Lijang (Volksrepublik China) abgehaltenen Weltkonferenz der UNESCO als „Weltdokumentenerbe“ (Memory of the World · Mémoire Documentaire du Monde) anerkannt.

In dem vom Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft inhaltlich erstellten und am 8. April 2004 vom Vorstand eingereichten Antrag heißt es programmatisch:

"Die Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm sind neben der Luther-Bibel das bekannteste und weltweit meistverbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte. Sie sind zugleich die erste systematische Zusammenfassung und wissenschaftliche Dokumentation der gesamten europäischen und orientalischen Märchentradition. Übersetzungen in über 160 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile lassen sich nachweisen.

Die Kinder- und Hausmärchen gleichen einem Hohlspiegel, der eine durch mehrere Kulturen geprägte Märchentradition einfängt, in neuer Form zusammenfaßt, bündelt und so zurückstrahlt, daß eine neue Tradition daraus erwächst und, gebunden an das Werk, weltweite Wirkung entfaltet. Die internationale Verbreitung der Grimmschen Märchen ist ein Ausweis ihres exemplarischen Charakters, der – in der deutschen Romantik verwurzelt – die Poesie der menschlichen Vorstellungswelt in universell gültiger Form ergriffen und niedergelegt hat. Die Einzigartigkeit und globale Wirkung dieser Sammlung geht darauf zurück, daß die Brüder Grimm in der literarischen Codierung der vorliterarischen Überlieferung die deutsche und europäische Bezugswelt überschritten und ein universelles Muster völkerüber-greifender Märchenüberlieferung geschaffen haben." (Bernhard Lauer, 2004)

Weiter heißt es in dem vom der Unesco angenommenen Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft:

"Die wesentlichen Handschriften und Quellen zu den Kinder- und Hausmärchen, die für eine Präsentation als Weltdokumentenerbe aufgearbeitet werden müssen, bestehen aus den nachfolgend beschriebenen Positionen:

1. Die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen (insbes. die ersten beiden Auflagen von 1812–1815 und 1819–22 sowie die Ausgabe letzter Hand von 1856–1857 mit zahlreichen handschriftlichen Notizen, Kommentaren und längeren Beischriften der Brüder Grimm zu zuletzt 200 verschiedenen Märchentexten und zehn Kinderlegenden (sämtlich vorhanden im Brüder Grimm-Museum Kassel);
2. Die sog. Ölenberger Märchenhandschrfit der Brüder Grimm mit 51 Märchentexten, angefertigt 1810 für den Freund und romantischen Dichter Clemens Brentano und in seinem Nachlaß überliefert (vorhanden in der Biblioteca Bodmeriana in Genf; synoptische Edition 1975 durch Heinz Rölleke);
3. Etwa dreißig weitere (teils fragmentarische) Märchenhandschriften und andere Quellendokumente zu den Kinder- und Hausmärchen (vorhanden in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Universitätsbibliothek Marburg, im Brüder Grimm-Museum Kassel u.a. sowie in Privatbesitz).

Für die Wirkungsgeschichte der Grimmschen Sammlung wesentlich sind auch die frühen dänischen, niederländischen, englischen, französischen, russischen, japanischen, chinesischen und anderen Übersetzungen, die überwiegend in z.T. unikalen Ausgaben im Brüder Grimm-Museum Kassel vorhanden sind und im Rahmen der Dokumentation ebenfalls erfaßt werden müssen." (Bernhard Lauer, 2004)

Die Brüder Grimm-Gesellschaft freut sich über das in den letzten fünfzehn Jahren in aller Welt erheblich gesteigerte Interesse am Leben und Wirken der Kasseler Märchensammler und Sprachforscher. Am Kasseler Brüder Grimm-Platz hat sie inzwischen ein oft genutztes Informations- und Dokumentationszentrum eingerichtet, in dem man Antworten zu allen Fragen der Grimm-Philologie und Märchenforschung finden kann. Gleichzeitig ist die Brüder Grimm-Gesellschaft weltweit aktiv mit zahlreichen Ausstellungs-, Tagungs- und Publikationsprojekten und setzt so die erfolgreiche Arbeit und Tradition des Brüder Grimm-Museums fort.

Grimm-Ausstellung jetzt in Belgorod

Belgorod_2020

Am 3. März 2020 konnte die russische Wanderausstellung der Brüder Grimm-Gesellschaft ein weiteres Mal in Rußland gezeigt werden. Nach zahlreichen Stationen in den vergangenen Jahren in Jaroslawl, Ufa, Irkutsk, Orenburg, Woronesch, Jasnaja Poljana (Landgut von Leo Tolstoi), Klin (Landgut von Peter Tschaikowski), Samara, Nachodka wurden die Brüder Jacob, Wilhelm und Ludwig Emil Grimm in der im Südwesten der Russischen Föderation gelegenen Stadt Belgorod im dortigen Literaturmuseum mit zahlreichen Leihgaben aus Kassel präsentiert.

Zur Eröffnung sprachen Museumsleiterin Inna Klimova und Geschäftsführer Bernhard Lauer; zwei Fernsehstationen und mehrere Journalisten berichteten davon. Begleitend zur Ausstellung fanden im Museum und in der erweiterten Oblast-Bibliothek verschiedene Vorträge statt, während Kontakte auch zu weiteren Kulturinstitutionen (Philharmonie, Volkskundemuseum, Kunstmuseum, Gedenkstätten des Zweiten Weltkriegs, Schtschepkin-Haus u.a.) geknüpft wurden.

In erfreulicher Weise konnten auch die Kasseler Sammlungen um zahlreiche neue russische Ausgaben der "Kinder- und Hausmärchen" bereichert werden. Mit ihrer Ausstellungstätigkeit in Rußland möchte die Brüder Grimm-Gesellschaft aber nicht nur die Kasseler Märchensammler und Sprachforscher dem Publikum neu erschließen, sondern gleichzeitig – im Blick auf die furchtbaren Verbrechen und Kämpfe der Jahre 1939 bis 1945, die vor allem die Region um Belgorod und Kursk heimgesucht haben – versuchen, über die Märchen, Sagen und Sprachforschungen der Brüder Grimm sowie auch deren Beschäftigung mit der russischen Volksdichtung und Sprache neue Brücken zum gegenseitigen Verständnis und zur Versöhnung zwischen Rußland und Deutschland zu bauen.

Ab September 2020 wird die Ausstellung dann im Staatlichen Literaturmuseum in Minsk zu sehen sein. Dafür werden alle Texte auch in die weißrusssiche Sprache übersetzt, denn anschließend soll die Schau noch an weiteren Orten des Landes bis Sommer 2021 gezeigt werden. Möglicherweise kann sie dann im Herbst 2021 auch noch nach Königsberg/Kaliningrad übernommen werden; diesbzgl. Vorgespräche wurden schon geführt. bl

Presse:
https://mirbelogorya.ru/region-news/37-belgorod/35368-v-belgorode-otryla...

http://www.sobaka.ru/belgorod/entertainment/books/104158

https://afishka31.ru/actions/vernisaz/num29773/

https://www.culture.ru/events/620131/vystavka-bratya-grimm-zhizn-i-tvorc...

https://www.peremenka31.ru/3981.html

Else Croner (1878–1942)

An dem heutigen denkwürdigen Tag möchten wir an an eine bedeutende jüdische Schriftstellerin erinnern, die sich am 20. Dezember 1942 aus Verzweiflung an der Welt in Berlin das Leben nahm.

Für uns ist Else Croner (geb. Wollstein) vor allem als Kinderbuch-Autorin und Märchenerzählerin interessant. Sie wurde am 4. Mai 1878 in Beuthen (Oberschlesien) als Tochter des Geh. Justiz- und Landesgerichtsrat Wollstein geboren, der 1882 nach Breslau versetzt wurde. Dort besuchte sie die Schule und das Lehrerinnenseminar und studierte von 1897 bis 1900 Germanistik. 1901 heiratete sie den Juristen Johannes Croner und zog mit ihm nach Berlin.

Sie verfaßte zahlreiche Romane, Kinderbücher und Märchen und bezog auch zu pädagogischen und moralphilosophischen Themen Stellung. Von Bedeutung ist ihre noch 1933 erschienene Monographie über Eduard Spranger.

Wir haben aus unserer Sammlung heute ein Buch für Kinder hervorgeholt, in dem Else Croner klassische Bildwerke aus der antiken, italienischen, flämischen, spanischen, französischen und deutschen Kunst (die jeweils abgebildet werden) mit Märchenerzählungen verbindet. Darin ist sie zu der Erkenntnis gelangt, "daß der in der Menschenseele wohnende Schönheitssinn nicht früh genug geweckt und entfaltet werden kann, da die Eindrücke der Jugendjahre alle späteren an Dauer und Kraft, an Wärme und Intensität übertreffen." Das Buch ist 1908 im Verlag "Hermann Seemann Nachfolger" in Berlin und Leipzig erschienen und mit wunderbaren Vignetten und Zeichnungen des Jugendstils ausgestaltet.

Auch das Wirken von Else Croner und ihr Schicksal muß uns heute Mahnung sein!
Das hier erneut vorgestellte Buch ist ein schönes Beispiel ihres Humanismus!
27. Januar 2020 (bl)

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