Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Kassel

Grimms Märchen im Jugendstil

Eine Ausstellung der Brüder Grimm-Gesellschaft im Landesmuseum zu Kassel vom 29. November 2019 bis 31. Januar 2020 · Eröffnungsrede vom 28. November 2019

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht ein Hauptwerk der Märchenillustration des Jugendstils, nämlich der große Märchenfries der aus Breslau stammenden Künstlerin Gertrud Kohrt (verh. Pfeiffer-Kohrt). Wir konnten diesen Fries von der Familie des Architekten Fritz Klingholz als Schenkung erwerben und haben ihn mit Förderung der Kasseler Fieseler-Stiftung grundlegend restaurieren können. Unser Fries wird heute erstmals im Kasseler Landesmuseum, dem herausragendsten Gebäude des Jugendstils in unserer Stadt, ausgestellt. Wir zeigen überdies weitere Märchenillustrationen dieser Epoche aus unseren zuletzt reichlich zusammengetragenen Beständen.

Gertrud Kohrt wurde 1875 zu Breslau geboren und war seit 1903 mit dem ebenfalls aus Breslau stammenden Maler Richard Pfeiffer (1878–1962) verheiratet. In München schufen beide schon früh Beiträge für die berühmte Wochenschrift „Jugend“ sowie für den „Simplicissimus“. Richard Pfeiffer wurde 1910 nach Königsberg i. Pr. berufen und dort 1913 zum Professor ernannt. Spuren des umfangreichen Schaffens des Künstlerpaares finden sich heute in Berliner Sammlungen, im Herder-Institut zu Marburg sowie im heutigen Litauen, wo beide 1926 einen großen Freskenzyklus in der bis heute wohlerhaltenen Kirche zu Heydekrug (lit.: Šilutė) im früheren Memelland schufen. Freskenaufträge erhielten sie auch für kirchliche und öffentliche Gebäude aus den ostpreußischen Städten Königsberg, Elbing und Tilsit; diese wurden im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, sie sind aber photographisch hinlänglich dokumentiert. Seit 1932 wirkten beide dauernd in Berlin.

Unser Märchenfries wurde von dem bekannten Architekten Fritz Klingholz (1861–1921) in Auftrag gegeben. Dieser stammte aus Barmen (Wuppertal), studierte in Stuttgart sowie in Berlin und wirkte hernach im preußischen Staatsdienst. Er betreute zahlreiche Bahnhofsbauten, sein bedeutendstes Werk ist das Empfangsgebäude des Bahnhofs zu Wiesbaden (1904/1906). Klingholz ging 1911 an die Technische Hochschule Berlin. Hier heiratete er im selben Jahr Anna Melitta Noack, die Tochter eines Berliner Möbelfabrikanten, die ihm 1913 den einzigen Sohn Friedrich gebar. Im April 1914 bezog die Familie eine von Klingholz selbst entworfene Villa in Charlottenburg, die leider in dieser Form nicht mehr erhalten ist. Zu ihrem Freundeskreis gehörten hier u.a. die Bildhauer Georg Kolbe, August Gaul und Franz Iffland, der Maler, Graphiker und Photograph Heinrich Zille sowie Richard Pfeiffer und Gertrud Pfeiffer-Kohrt. Letztere schuf 1913 oder 1914 für das Kinderzimmer in der Klingholzschen Villa den hier ausgestellten Märchenfries.

Nach der von Monika Tschierske (Eschwege) vorgenommenen sorgfältigen Restaurierung erstrahlt der Fries wieder in leuchtenden Farben. Dargestellt sind auf den neun erhaltenen Teilen verschiedene Märchenmotive, u.a. zu „Dornröschen“, „Rotkäppchen“, „Der Froschkönig“, „Die sieben Raben“, „Aschenputtel“, „Sneewittchen“, „Allerleirauh“ und „Hänsel und Gretel“ sowie neben weiteren mythischen Figuren auch die Sage vom „Rattenfänger von Hameln“.

Der Märchenfries steht in einer langen Tradition der Illustrierung der Kinder- und Hausmärchen. Zuerst (1812 und 1815) erschien die Grimmsche Sammlung bekanntlich ohne jede bildliche Beigabe, und die Brüder Grimm hegten auch wenig Interesse für die Illustrierung ihrer Märchen. Die allererste Illustration eines Grimmschen Märchens schuf 1818 Ludwig Emil Grimm (1790–1863), und zwar als Frontispiz für den ersten Band der zweiten Auflage der Sammlung (1819) zu dem Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“. Mit der nachfolgenden niederländischen Teilausgabe von 1820, die vier Bilder eines anonymen Künstlers enthielt, vor allem aber mit den englischen Ausgaben von 1823 und 1826 mit den Radierungen von George Cruikshank (1792–1878) erhielt das Märchenbild großen Auftrieb. Dies zeigen in der Folge die mit sieben Bildern – nach dem Vorbild der englischen Ausgabe (!) – wiederum von L.E. Grimm – später von Ludwig Pietsch (1824–1911) und Paul Meyerheim (1842–1915) – gestaltete sog. „Kleine Ausgabe“ der Grimmschen Märchen, die bis zum Ersten Weltkrieg mehr als fünfzig Auflagen erreichte, und die großformatigen Radierungen in Arabeskenform von Eugen Napoleon Neureuther (1806–1882). In der Reihe der Münchner und Stuttgarter Bilderbogen sowie auf verschiedenen Ausschneidebogen für das Kindertheater kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Dutzende von weiteren Märchendarstellungen heraus. Gleichzeitig wurden prächtige Ausgaben mit farbigen Lithographien gestaltet, die im Jugendstil ihren Höhepunkt erreichten.

Bedeutende Impulse kamen aus England, insbesondere von Walter Crane (1845–1915) und Arthur Rackham (1867–1939). Walter Crane war einer der führenden Vertreter der sog. „Arts and Crafts“-Bewegung in England, die eine besondere Verbindung zwischen Kunst und Gesellschaft herstellen wollte. Als Reaktion auf den Historismus der viktorianischen Ära propagierte er im Zeitalter der ausufernden maschinellen Produktion eine Rückbesinnung auf handwerkliches Können und praktische schöpferische Arbeit. Ab den 1870er Jahren schuf Crane zahlreiche farbige Illustrationen zu den Märchen der „1001 Nacht“ sowie zur französischen und deutschen Erzähltradition; dabei griff er motivisch vielfach auf die Epoche der Renaissance in England zurück. Herausragend ist seine Gestatung des Märchens „Der Froschkönig“ (London 1874) sowie seine Vignetten, Initialen und ganzseitigen Bilder für die von seiner Schwester Lucy Crane (1842–1882) herausgegebene Ausgabe, die unter dem Titel Household Stories from the Collection of the Bros. Grimm 1882 in London beim Verlag Macmillan & Co. herauskam und bis zum Ersten Weltkrieg zahlreiche weitere Auflagen erlebte. Auch in Deutschland wurde Walter Crane vielfach gedruckt; eine besonders schöne, mit goldgeprägtem Einband versehene Ausgabe kam in ungarischer Sprache 1887 in Budapest unter der Herausgeberschaft und Übersetzung von Ignác Halász (Fischer; 1855–1901) heraus. Ein weiterer einflußreicher Vertreter der englischen Märchenillustration des Jugendstils war Arthur Rackham (1867–1939), der 1909 im Londoner William Heinemann-Verlag Grimm‘s Fairy Tales Illustrated herausgab, die im ganzen 20. Jahrhundert immer wieder neu aufgelegt wurden.

Gestalterisch wurde der europäische Jugendstil auch von Stilelementen der japanischen Kunst geprägt, die ebenfalls zuerst in England mit den 1854 und 1862 in London gezeigten großen Ausstellungen mit Kunstwerken aus dem Land der aufgehenden Sonne rezipiert und mit den erzwungenen Handelsabkommen und der seit 1867 erfolgenden Öffnung des Landes weiterentwickelt wurden. Japanische Holzschnitte, Möbel, Keramiken und Lackarbeiten wurden in großer Anzahl nach Europa importiert und von den neuen Strömungen in der westlichen Kunst verarbeitet. In Tokio selbst begründete der japanische Verleger Takejirō Hasegawa (長谷川武次郎; 1853–1938) in den 1880er Jahre eine eigene, besonders nach Europa wirkende Tradition der Märchenillustration, indem er u.a. in englischer, deutscher, französischer und spanischer Sprache zahlreiche japanische Märchenstoffe mit farbigen Holzschitten auf sog. „Crepe Paper“ (jap.: Chirimenbon = ちりめん本) herausgab, die rasch Verbreitung fanden.

Der Begriff „Jugendstil“ geht bekanntlich auf die von Georg Hirth (1841–1816) und Fritz v. Ostini (1861–1927) seit 1896 herausgegebene Zeitschrift „Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben“ zurück. Die Bewegung um diese Zeitschrift verstand sich als Gegenbewegung junger Künstler und Kunsthandwerker zu dem von ihnen als „rückwärtsgewandt“ empfundenen Historismus, sie kritisierten aber auch die als „seelenlos“ verstandene Industrialisierung und künstlerische Massenproduktion des 19. Jahrhunderts. In Deutschland und Österreich entwickelten sich in der Folge u.a. München, Wien, Berlin, Dresden und Darmstadt, aber auch die sog. Künstlerkolonien Willingshausen, Worpswede und Dachau zu Zentren des Jugendstils.

Vor allem aus Wien erhielt die Märchenillustration wichtige Impulse durch die 1897 gegründete „Seccesion“ und den später ins Leben gerufenen „Hagenbund“. Herausragende Kompositionen zu den Märchen schufen dort in der Folge u.a. Heinrich Lefler (1863–1919) und Josef Urban (1872–1933).

Heinrich Lefler trat vor allem mit Genre- und Märchenmotiven, Landschaften sowie ornamentalen Kompositionen hervor. Herausragend sind u.a. seine großen Bilderbogen, in denen er dekorativ geschwungene Linien und großflächige florale Ornamente ineinander komponierte und mit seinen Gestaltungen zu „Dornröschen“, „Sneewittchen“ oder „Hänsel und Gretel“ große Ausdruckskraft erreichte.

Josef Urban wirkte als Architekt, Bühnenbildner, Innendekorateur und Maler in Wien sowie an verschiedenen Orten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 1911 ging er nach Amerika und arbeitete dort zunächst an der Oper in Boston, ab 1914 in New York, wo er von 1918 bis zu seinem Tode 1933 Ausstattungschef der Metropolitan Opera war.

Heinrich Lefler und Josef Urban wirkten in vielfacher Weise zusammen. Sie gestalteten die Inneneinrichtung des Wiener Rathauskellers mit Fresken zu Sagen und Geschichten Wiens oder das Schloß St. Abraham (Szent Abraham) des ungarischen Grafen Karl Esterhazy. Für die Leipziger Farbenfabriken Berger & Wirth gestalteten sie unter dem Titel »Ein Glückliches Neues Jahr!« zwölf Kalenderblätter nach Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm, Ludwig Bechstein und Hans Christian Andersen. Sie führten darin durch emblematisch gerahmte Bildkompositionen die Märchenhandlung auf ihren jeweiligen Kulminationspunkt und verliehen ihrdadurch zusätzliche Dynamik, aber auch bildnerische Tiefe.

Bedeutende Illustrationen zu den Grimmschen Märchen schufen in Deutschland Heinrich Vogeler (1872–1942) und Otto Ubbelohde (1867–1922). Vogeler ließ sich nach dem Studium 1894 in Worpswede nieder, wo er zusammen mit Gleichgesinnten die gleichnamige Künstlerkolonie begründete, die bald weithin bekannt wurde und das Bild des Jugendstils nachhaltig prägte. Bedeutend sind seine Radierungen zu den Märchen „Dornröschen“ (1897) und „Der Froschkönig“ (1899). Später schuf er eine zwölfteilige Reklamemarkenserie zu dem Märchen „Hänsel u. Gretel“ für H. Bahlsens Keks-Fabrik in Hannover, die heute zu den gesuchten Raritäten vieler Sammler gehört.

Otto Ubbelohde stammte aus Marburg und studierte in Weimar und in München, auch nach Willingshausen, Dachau und Worpswede unterhielt er Beziehungen. Nach der Jahrhundertwende ließ er sich dauerhaft in Goßfelden bei Marburg nieder; hier gestaltete er mehr als 448 Federzeichnungen, die in drei Bänden in der in Leipzig 1907 bis 1909 im Turm-Verlag verlegten Jubiläumsausgabe erschienen. Ubbelohde wurde so schlagartig einem breiteren Publikum bekannt; bis heute werden seine an ganz reale Orte in Hessen angelegten Märchenbilder nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus in vielen Ländern der Welt immer aufgelegt (so z.B. im Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit der Brüder Grimm-Gesellschaft fünfbändig in Tokio).

Ab 1904 gab der Leipziger Pädagoge Fritz Lehmensieck eine Serie von großformatigen Schulwandbildern im Dresdener Meinhold-Verlag heraus, in dem bis 1918 insgesamt 28 Bilder im Format 100 x 70 cm erschienen. Sie sind geprägt von einer kräftigen malerischen Ausstrahlung und sollten die Übertragung pädagogischer Konzepte in die schulische Praxis unterstützen. Die meisten Bilder der Serie weisen daher eine spezifische arabeskenhafte Grundstruktur auf. In der Bildmitte wird meist die Schlüsselszene des jeweiligen Märchens als großes Hauptbild in Szene gesetzt und mit kleineren Bildern werden darum herum in ornamentalen Rahmen weitere Episoden erzählt. Aus Platzgründen können wir die großen Originalbilder hier leider nicht ausstellen. Sie finden in eine der Vitrinen aber eine kleine Auswahl von nachgedruckten Reklamemarken z.B. des Dresdener Künstlers Johannes Felix Elsner (1866 – 1945) und des Münchener „Märchenmalers“ Paul Hey (1867 – 1952).

Weiter finden Sie in unserer Ausstellung die berühmten querformatigen Künstlerbilderbücher aus dem Mainzer Joseph Scholz-Verlag sowie aus dem Hannoverschen Molling-Verlag nebst einigen Heften der in Berlin in der Reihe „Jungbrunnen“ erschienenen Märchenbücher. Diese Arbeiten und viele weitere können wir hier nur in wenigen Beispielen andeuten; ziemlich vollständig haben wir jedoch bei der Brüder Grimm-Gesellschaft nicht nur die Märchenillustration des europäischen Jugendstils, sondern eigentlich die gesamte Geschichte der Märchenillustration von Ludwig Emil Grimm bis in die Gegenwart zusammengetragen und dokumentiert. Wenn Sie sich davon überzeugen wollen, so laden wir Sie heute ab 20 Uhr herzlich in unsere Verwaltungsräume am Brüder Grimm-Platz 4 ein und freuen uns bei einem Glas Wein oder Saft auf einen fruchtbaren Gedankenaustausch.

(c) 2019 by Bernhard Lauer (Kassel)

Märchenkalender 2020

Die Brüder Grimm-Gesellschaft hat für das nächste Jahr einen Märchenkalender erstellt, der ab sofort über unsere Geschäftsstelle sowie im guten Buchandel (ISBN = 978-3-940614-42-1) zum Preis von 19,80 Euro bezogen werden kann.

Die Bildvorlagen des Kalenders stammen von Heinrich Lefler und Josef Urban, die zu den wichtigsten Künstlern des europäischen Jugendstils gehören und sich in verschiedenen Bereichen der Kunst, der Theaterdekoration, der Innenarchitektur und des Kunsthandwerks einen Namen gemacht haben.

Heinrich Lefler wurde 1863 in Wien als Sohn des Malers und Theaterdekorateurs Franz Lefler (1831–1898) geboren. Er studierte an den Kunstakademien in Wien und in München. Als Maler und Zeichner sowie als Kunstgewerbler wirkte er vornehmlich in Wien und trat vor allem mit Genre- und Märchenmotiven, Landschaften sowie ornamentalen Kompositionen hervor. Er starb 1919 in Wien.
Josef Urban wurde 1872 ebenfalls in Wien geboren und studierte hier Kunst und Architektur an der Akademie der Bildenden Künste. Er wirkte als Architekt, Bühnen-bildner, Innendekorateur und Maler vor allem in Wien sowie an verschiedenen Orten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 1911 ging er nach Amerika und arbeitete dort zunächst an der Oper in Bosten, ab 1914 in New York, wo er von 1918 bis zu seinem Tode 1933 Ausstattungschef an der Metropolitan Opera war.

Beide Künstler wirkten in vielfacher Weise zusammen und gründeten 1900 den Wiener Künstlerbund »Hagen«, der bis 1939 bestand und sich neben dem »Künstlerhaus« und der »Seccession« als dritte Richtung in der Wiener Jugendstilbewegung etablierte. Sie gestalteten u.a. gemeinsam die Inneneinrichtung des Wiener Rathaus-kellers mit Fresken zu den Sagen und Geschichten Wiens oder das Schloß St. Abraham (Szent Abraham) des ungarischen Grafen Karl Esterhazy. Sie fertigten auch Möbel, Wandschirme, Uhren, Kassetten, Stickereien, Fächer, Plakate, Buch- und Tafelschmuck u.v.m.

Für die Leipziger Farbenfabriken Berger & Wirth gestalteten Heinrich Lefler und Josef Urban unter dem Titel »Ein Glückliches Neues Jahr!« zwölf Kalenderblätter nach Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm, Ludwig Bechstein und Hans Christian Andersen, zu denen jeweils eine Dichtung von Ludwig Fulda (1862–1939) gesetzt wurde. Der Kalender erschien 1905 im Wiener Munk-Verlag und erlebte zahlreiche Auflagen; gleichzeitig wurde er auch von den produzierenden Farbenfabriken als Werbeartikel vertrieben. Beide Künstler setzen mit ihren emblematisch gerahmten Bildkompositionen die Märchenhandlung auf ihrem jeweiligen Kulminations-punkt in Szene und verleihen ihrer Erzählung dadurch zusätzliche Dynamik, aber auch bildnerische Tiefe.

Kassel, im Herbst 2019 · Bernhard Lauer

Märchen aus dem Land der Morgenstille

Die Brüder Grimm-Gesellschaft zeigt in ihren Räumen am Brüder Grimm-Platz 4 in Kassel vom 15. August bis zum 31. August die deutsch-koreanische Ausstellung "Märchen aus dem Land der Morgenstille".

Der erste überlieferte Namen Koreas lautet „Choson“ (조선) und bezieht sich auf ein weitgehend legendäres Reich der Bronzezeit. Es wurde mit chinesischen Schrift-zeichen für „Morgen“ (朝) und „Stille“ (鮮) bezeichnet, daher „Land der Morgenstille“. Die Ent-wicklung des Landes ist vielfältig mit China verbunden, von wo die Schrift und auch geistige, politische und verwaltungstechnische Konzepte und Vorstellungen übernommen wurden.

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten entstanden drei eigenständige Staaten: Koguryo, Silla und Paekche. Das kleinste von ihnen entwickelte sich allmählich zur beherrschenden Macht und konnte zuletzt die gesamte Halbinsel im sog. Groß-Silla-Reich (668–935) vereinigen. Ihm folgten die Reiche von Koryo (935–1392) und Joseon (1392–1897), das bis zur japanischen Annexion Koreas (1910) als Kaiserreich weiterbestand. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Korea dann eine japanische Kolonie. Heute ist das Land zwischen dem kommunistischen Norden und dem demokratischen Süden geteilt.

Während Erzählungen aus der Zeit der „Drei Reiche“ nur dem Namen nach überliefert sind, haben sich aus der Koryo- und Joseon-Epoche Chroniken und geistliche Texte mit koreanischen Mythen, Sagen, Märchen und Legenden erhalten. Wichtige Quellen sind das „Sam-guk sagi“ und das „Samguk yusa“ aus dem 11. und 12. Jahrhundert, später das „Ou yadam“ aus dem 17. Jahrhundert. Systematische Aufzeichnungen volkstümlicher Erzählungen wurden erst im 20. Jahrhundert unternommen.

Die koreanische Märchentradition ist stark geprägt von buddhistischen und konfuzianischen Vorstellungen sowie von Elemen-ten des Schamanismus. Ahnen-verehrung, Ergebenheit und Ach-tung dem Herrscher und seinem Reich gegenüber sowie das Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg spielen für das koreanische Mär-chen eine wichtige Rolle. Sein Held oder seine Heldin opfern sich vielfach auf, um Unheil von den Eltern oder den Geschwistern fernzuhalten. Andere ziehen aus, um in der Hauptstadt die Staatsprüfung ab-zulegen und dadurch zu Reich-tum und Wohlstand zu gelangen. Es gibt auch Überschneidungen und motivische Parallelen mit der europäischen Märchentradition.

Erste koreanische Übersetzungen Grimmscher Märchen (zunächst noch aus dem Japanischen und Englischen) erschienen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für die Ent-wicklung der modernen koreanischen Nationalbewegung während der japanischen Fremdherrschaft spielte das an Sprache, Geschichte und Volkskultur orientierte Kon-zept der Brüder Grimm eine große Rolle. In der Zeitschrift „Kaebyeok“ wurde im August 1922 beispielsweise dazu aufgerufen, auch die eigene Volkspoesie aufzusammeln und zu dokumentieren: „Jedes Volk hat seine eigenen Sagen, Lieder und Märchen. Die berühmten Grimmschen Märchen haben dem deutschen Volk großen Mut gegeben. Das alte Erzählgut Chosons ist jedoch verloren gegangen, weil niemand sich darum gekümmert hat.“ Mündliche Über-lieferungen wurden zuerst von ausländischen Missionaren und Reisenden aufgezeichnet, ehe zwischen den Kriegen und verstärkt nach 1945 koreanische Volkskundler sich dem Thema annahmen. Zuletzt erschien in 84 Bänden das „Hanguk kubi munhak taegye“ (Grundriß der mündlichen koreanischen Volksüberlieferung).

Die Ausstellung ist montags bis samstags geöffnet von 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 Euro. Für Führungen bitten wir um telephonische Anmeldung unter 0561-103235. bl

Grimm-Tagung in Osaka 2019

Grimm Tagung in Osaka

Am 7. Dezember 2019 findet von 12 bis 18 Uhr an der Baika-Universität zu Osaka eine weitere deutsch-japanische Tagung unter dem Titel "Die Rezeption der Grimmschen Märchen" statt. Die Tagung steht unter der Schirmherrschaft des Deutschen Generalkonsuls in Osaka und Kobe und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Tokio.

Vorgesehen sind folgende Vorträge:

12:00 Begrüßung und Eröffnung

12:10 Die Märchen der Brüder Grimm und ihre weltweite Rezeption (Bernhard Lauer - Brüder Grimm-Gesellschaft, Kassel)

13:00 Die Rezeption des Märchens “Rotkäppchen” in Japan (Yoshiko Noguchi - Baika Frauen-Universität, Osaka)

13:50 Mittagsbuffet

15:00 Deutsches Kulturerbe – Märchen und Sagenorte (Akemi Kaneshiro-Hauptmann - Präfektur-Universität, Toyama)

15:30 Die Rezeption der Sage “Der Rattenfänger von Hameln” in Japan (Chihiro Kano - Baika Frauen-Universität, Osaka)

16:00 Die Rezeption des Märchens “Hänsel und Gretel” in Japan (Naomi Koizumi - Baika Frauen-Universität, Osaka)

16:30 Diskussion

17:10 Rundgang durch die Ausstellung "Die Märchen der Brüder Grimm – Entstehung, Dolkumentation, Wirkung) in der Universitätsbibliothek mit Bernhard Lauer und Yoshiko Noguchi

Veranstalter: Baika Frauen-Universität Osaka · Forschungsgruppe für Grimms Märchen und deutsche Volkserzählungen Kansai · Brüder Grimm-Gesellschaft Kassel und Tokio (www.grimms.de)

Kontakt In Japan · Yoshiko Noguchi: y-noguchi@baika.ac.jp
Kontakt in Deutschland · Bernhard Lauer grimm.museum@gmail.com

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Eine Anmeldung zur Teilnahme ist jedoch erforderlich!
Der erste Vortrag erfolgt in englischer Sprache, alle weiteren Vorträge in japanischer Spache!

Ausstellung: Grimms Märchen im Jugendstil

Die Brüder Grimm-Gesellschaft bereitet in Zusammenarbeit mit der Museumslandschaft Hessen-Kassel eine Ausstellung zur Rezeption der Grimmschen Märchen in der Zeit des Jugendstiles vor.

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht die Illustrationsgeschichte der Kinder- und Hausmärchen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein großes Hauptwerk der deutschen Märchenillustration des Jugendstils, der etwa zehn Meter lange Märchenfries der aus Breslau stammenden und später in München, Berlin und Königsberg i.Pr. wirkenden Künstlerin Gertrud Kohrt (verh. Pfeiffer-Kohrt; 1875–1939) konnte die Brüder Grimm-Gesellschaft kürzlich erwerben und mit Mitteln der Kasseler Fieseler-Stiftung restaurieren (siehe dazu auch die beiden Aufsätze im "Brüder Grimm-Journal" (Heft 9 und 10). Der Fries wird erstmals im Landesmuseum ausgestellt werden.

Die allererste Illustration eines Grimmschen Märchens schuf 1818 Ludwig Emil Grimm (1790–1863), der „Malerbruder“ der berühmten Kasseler Märchensammler und Sprachforscher, und zwar als Frontispiz für den ersten Band der zweiten Auflage ihrer Sammlung (1819) zu dem Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“. Mit der nachfolgenden niederländischen Teilausgabe von 1820, die vier Bilder eines anonymen Künstlers enthielt, vor allem aber mit der englischen Ausgabe von 1823 mit zahlreichen Radierungen von George Cruikshank (1792–1878) erhielt das Märchenbild großen Auftrieb. Dies zeigen in der Folge die mit sieben Bildern wiederum von L.E. Grimm – später von Ludwig Pietsch (1824–1911) und Paul Meyerheim (1842–1915) – gestaltete „Kleine Ausgabe“, die bis zum Ersten Weltkrieg mehr als fünfzig Auflagen erreichte und die beiden großformatigen Radierungen in Arabeskenform von Eugen Napoleon Neureuther (1806–1882). In der Reihe der Münchner und Stuttgarter Bilderbogen sowie auf verschiedenen Ausschneidebogen für das Kindertheater kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Dutzende von Märchendarstellungen heraus.

Gleichzeitig wurden prächtige Ausgaben mit farbigen Lithographien gestaltet, die im Jugendstil ihren Höhepunkt erreichten. Bedeutende Impulse für die Märchenillustration kamen dabei wiederum aus England, vor allem durch Walter Crane (1845–1915) und Arthur Rackham (1867–1939). In der Jahrhundertwende schufen die Wiener Künstler Heinrich Lefler (1863–1919) und Joseph Urban (1872–1933) herausragende Kompositonen, in Hessen gestaltete Otto Ubbelohde (1867–1922) mehr als 450 Federzeichnungen, die in drei Bänden in der in Leipzig von 1907 bis 1909 im Turm-Verlag verlegten Ausgabe publiziert wurden. Im Scholz-Verlag zu Mainz sowie im Molling-Verlag zu Hannover kamen herausragende querformatige Märchenbücher heraus, für die beispielsweise Julius Diez (1870–1957) oder Hanns Anker (1873–1950) besonders eindrucksvolle Bilder schufen. Die Ausstellung wird aus den reichen Kasseler Sammlungen sowie auch aus Privatbesitz die wichtigsten Künstler des Jugendstils vorstellen.

Die Ausstellung wird vom 28. November 2019 bis 31. Januar 2020 im Wappensaal des Landesmuseums am Brüder Grimm-Platz 1 zu sehen sein. bl

Ausstellung: 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten

200 Jahre Bremer Stadtmusikanten
Ausstellung im Kreishaus Kassel · 2.5. bis 31.5.2019
Wilhelmshöher Alle 19-21 · 34117 Kassel
Eintritt frei · Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr

Das Märchen von den „Bremer Stadtmusikanten“ kennen wir seit der zweiten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“, die im Sommer 2019 von Jacob und Wilhelm Grimm in ihrer Wohnung in der nördlichen Torwache am Wilhelmshöher Platz (heute: Brüder Grimm-Platz) für den Druck bei Georg Reimer in Berlin vorbereitet wurde. Die Brüder Grimm haben dem Märchen zwar seinen Namen gegeben, es hat aber – wie fast alle Geschichten ihrer Sammlung – eigentlich nichts mit dem beigegebenen Ort zu tun. Es ist weder in Bremen entstanden, noch lassen sich konkrete geographische Kennzeichen dieser Stadt oder ihrer Umgebung im Text finden. Und die Stadtmusikanten sind dort ja auch gar nicht angekommen. Vielmehr ist die örtliche Zuordnung des Märchens eher zufällig und durch seine besondere Überlieferungsgeschichte bedingt.

Der Stoff der wie Menschen handelnden Tiere, die durch Klugheit und Kooperation ihr Ziel erreichen, ist uralt und schon in antiken Fabelwerken belegt, etwa im sog. „Froschmäusekrieg“ (altgriech: Βατραχομυομαχία), einem unter dem Namen Homers überlieferten Sammelwerk aus späthellenischer Zeit, das in Form einer Parodie auf die Epen des „Urvaters“ der antiken Literatur einen Krieg zwischen Fröschen und Mäusen schildert. Angelehnt an die Fabel von Frosch und Maus des Äsopus werden verschiedene Episoden geschildert, die im Mittelalter und in der frühen Neuzeit didaktisch aufgewertet weiteste Verbreitung erfuhren und vor allem auf die moralphilosophischen Adaptationen der Reformationszeit einwirkten.

Erzählungen von entlaufenen Tieren auf Wanderschaft, die in einem leerstehenden Haus übemachten und einen dort eindringenden Wolf verjagen, finden sich beispielsweise auch in mittelalterlichen Tierfabeln, etwa im lateinischen „Ysengrimus“ (um 1148) des Genter Magisters Nivardus oder im altfranzösischen „Roman de Renart“ aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Weiter ausgestaltet findet sich die Geschichte auch in Deutschland später in einem Meisterlied des Hans Sachs aus dem Jahr 1551 und in der didaktischen Sammlung des sog. „Froschmeuseler" (begonnen 1569; zuerst erschienen in Magdeburg 1595) des Georg Rollenhagen, und zwar unter dem Titel „Der Ochs und der Esel stürmen mit ihrer Gesellschaft ein Waldhaus“.
Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm nahmen zwar in ihrer Märchensammlung auch auf die genannten schriftlichen Quellen Bezug, schöpften ihre Textversion jedoch mehr aus mündlichen Quellen: „nach zwei Erzählungen aus dem Paderbörnischen“ und nach einer dritten „aus Zwehrn“, womit als Beiträger die Familie der Freiherren v. Haxthausen und unsere Niederzwehrener „Märchenfrau“ Dorothea Viehmann gemeint sind. Der Titel „Bremer Stadtmusikanten“ stammt vermutlich von August v. Haxthausen und ist ja auch inhaltlich motiviert, denn Bremen war die Stadt hanseatischer Freiheiten, ein Sehnsuchtsort, von dem viele mit großer Hoffnung auf ein besseres Leben in die „Neue Welt“ auswanderten. Bis heute kann man die Geschichte sozialutopisch ausdeuten und angesichts der zur Zeit stattfindenden Armutsdislkussion sogar aktuelle Bezüge herstellen.

In unserer Ausstellung dokumentieren wir – im Erdgeschoß – zunächst die wichtigsten historischen Quellen des Märchens durch Zeugnisse der schriftlichen Überlieferung sowie durch Porträts der Märchenbeiträger. Aus der Wirkungsgeschichte der „Stadtmusikanten“ werden viele Illustrationen präsentiert: von George Cruikshank, der für die englische Ausgabe der „German Popular Stories“ (London 1823) die allererste Illustration schuf, bis zu modernen Bilderbogen, Schulwandbildern, Karikaturen, Porzellanfiguren, Brief- und Reklamemarken und vielem mehr.

Daß die „Stadtmusikanten“ ihren Weg nicht nur nach Bremen einschlugen, sondern auch in anderen Ländern und auf anderen Erdteilen eine Heimat gefunden haben, zeigen beispielsweise der unter dem Titel „De Amsterdammer Stadsmuziekanten“ in Turnhout um die Mitte des 19. Jahrhunderts erschienene große farbige Bilderbogen, aber auch zahlreiche Ausgaben aus Afrika, Amerika und Asien, die wir im oberen Geschoß präsentieren. Besonders eindrucksvoll ist dabei eine große Bilderfolge aus dem Niger, in der die dortigen Stadtmusikanten erfolgreich mit den Terroristen von Al Kaida kämpfen. Eine besonders langwirkende Rezeption erfuhr das Märchen in der Sowjetunion und in Rußland, wo bis heute mehr als hundert verschiedene Ausgaben und Künstler dokumentiert werden können. Aus Platzgründen konnten wir in der Ausstellung nur einen kleinen Teil der umfangreichen Sammlung zu den „Bremer Stadtmusikanten“ ausstellen, die wir im Brüder Grimm-Zentrum am Brüder Grimm-Platz zusammengetragen haben und die dort gerne weiter studiert werden kann. Eine eindrucksvolle Gestaltung des Themas findet sich aber auch bei uns in der Hauptstadt der Brüder Grimm, und daher finden Sie am Ende der Ausstellung im Kreishaus sechs Aquarelle zu den Bremer Stadtmusikanten, die der Kasseler Illustrator Markus Lefrancois geschaffen hat. BL

Briefwechsel Grimm und Hassenpflug

In der Kasseler HNA vom 18.3.2019 wird unter der Überschrift „Sie lüften die Geheimnisse der alten Handschriften“ darüber berichtet, daß u.a. auch Autographen der Brüder Grimm computertechnisch erfaßt und transkribiert werden. Solche, u.a. schon länger im englischspachigen Raum praktizierte Verfahren, können helfen, historische und literarische Dokumente zu erschließen und für die Wissenschaft fruchtbar zu machen. So aber leider nicht das von der Kasseler Universität durchgeführte Verfahren!

Voller Stolz wird hier berichtet, daß Herr Peer Schröder „48 Briefe von Jacob Grimm an Ludwig Hassenpflug transkribiert“ und das Ergebnis auf den Internetseiten der UB Kassel bereitgestellt hat. Es verwundert schon, daß die Universität Kassel und der dort für die Grimm-Philologie ausgewiesene Germanistikprofessor ausgerechnet den Grimm-Hassenpflug-Briefwechsel neu transkribieren lassen, obwohl sie doch Kenntnis darüber haben müssen, daß dieser Briefwechsel schon im Jahre 2000 im Rahmen der „Kasseler Ausgabe“ der „Werke und Briefwechsel der Brüder Grimm“ vorzüglich und kritisch-kommentiert in gedruckter Form vorliegt; der Band ist natürlich auch in der UB Kassel vorhanden.

Prüft man die Ergebnisse der erneuten Transkription, so stößt man schon bei den ersten Briefen auf grobe Lesefehler, die das ganze Verfahren sehr fraglich erscheinen lassen. In Jacobs Grimms Brief an Ludwig Hassenpflug vom 1.-2.11.1825 ist beispielsweise eine Person namens „Schmerfeld“ erwähnt, die in der Neutranskription von Peer Schröder falsch als „Schneefeld“ wiedergegeben wird. In der „Kasseler Ausgabe“ der „Werke und Briefwechsel der Brüder Grimm“ (Kassel 2000) findet man auf der Seite 57 nicht nur eine korrekte und präzise Transkription, sondern auch eine profunde Anmerkung, daß es sich hier um Ferdinand v. Schmerfeld (1783–1868) handelt, der u.a. von 1809 bis 1819 mit Margarete Wild, einer Schwester von Wilhelm Grimms Ehefrau Dorothea, verheiratet war.

Wir möchten natürlich das ehrenamtliche Engagement von Peer Schröder nicht schmälern und ihn durchaus ermuntern, sein Engagement in vernünftiger Weise und mit qualifizierter Beratung und Anleitung fortzusetzen. Zur Motivation werden wir ihm daher den oben genannten Band der „Kasseler Ausgabe“ mit dem von Ewald Grothe vollständig und mustergültig edierten Briefwechsel zwischen den Brüdern Grimm und Ludwig Hassenpflug und dessen Familie gerne zur Verfügung stellen!

Brüder Grimm-Gesellschaft Kassel
Brüder Grimm-Zentrum am Brüder Grimm-Platz 4
34117 Kassel
www.grimms.de

Mittwochs bei Grimms

27.2.2019 - Ewald Grothe - „Einheit und Freiheit“ Die Brüder Grimm im Vormärz
19:00 Uhr - Brüder Grimm-Platz 4

Der Vortrag beleuchtet das politische Wirken der Brüder Grimm zwischen dem Protest der „Göttinger Sieben“ (1837) und der ersten Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche (1848). Auch zur aktuellen politischen Diskussion werden dabei Bezüge hergestellt.

13.03.2019 - Bernhard Lauer - " „Die Märchen haben uns in aller Welt bekannt gemacht ...“ Eine Weltreise mit den Brüdern Grimm"
19:00 Uhr - Brüder Grimm-Platz 4

Die „Kinder- und Hausmärchen“ sind seit 2005 „Weltdokumentenerbe der Unesco“. Übersetzungen lassen sich heute in mehr als 180 Sprachen nachweisen und in den Sammlungen am Brüder Grimm-Platz studieren. Der Vortrag dokumentiert die weltweite Wirkungsgeschichte der Grimmschen Märchen und berichtet von den jüngsten Ausstellungen in aller Welt.

Die Brüder Grimm in Nordhausen

Grimms Märchen im Kunsthaus Nordhausen

Im Kunsthaus zu Nordhausen am Rande des Harzes präsentiert die Brüder Grimm-Gesellschaft vom 19. Januar bis zum 7. April 2019 eine neue große Ausstellung zu Leben, Werk und Wirkung der Brüder Grimm. Der Ort bietet eine wahrhaft märchenhafte Atmosphäre, denn das Kunsthaus Nordhausen ist in einer Gründerzeitvilla mit großzügiger Raumaufteilung nebst einem hohen märchenhaften Turm untergebracht. Im Erdgeschoß wird zunächst im ausladenden Foyer sowie zwei angrenzenden Sälen das Leben der Brüder Grimm von Hanau über Kassel bis nach Berlin präsentiert. Hier wird auch kurz auf die sprach- und literarhistorischen Aspekte der Arbeit der Brüder Grimm sowie auf ihr politisches Wirken eingegangen. In zwei weiteren Räumen stehen dann die Vorgeschichte der "Kinder- und Hausmärchen" zwischen Orient und Okzident, die seit 2005 auf Antrag der BGG als "Weltdokumentenerbe" der Unesco anerkannten Kasseler Handexemplare der ersten und zweiten Ausgabe von 1812 bis 1822 sowie die wichtigsten Märchenillustratoren des 19. und 20. Jahrhunderts von George Cruikshank und Ludwig Emil Grimm bis zu Otto Ubbelohde und Werner Klemke im Mittelpunkt. Im Ersten Obergeschoß sind dann spezielle Kabinette mit wertvollen illustrierten Prachtausgaben, graphischen Blättern und dreidimensionalen Installationen insbesondere den Märchen "Sneewittchen", "Dornröschen", "Rapunzel", "Froschkönig", "Gestiefelter Kater", "Rumpelstilzchen" und "Aschenputtel" gewidmet. Eine Etage höher wird schließlich die weltweite Überlieferung der Grimmschen Märchen in zahlreichen, meist reich und oft eigenartig illustrierten Übersetzungen aus aller Welt dokumentiert. Im Keller schließlich werden noch die Entwürfe zur Oper von "Aschenputtel" ausgestellt, die in den nächsten Wochen und Monaten am Theater in Nordhausen aufgeführt wird. Die Brüder Grimm-Gesellschaft und das Kunsthaus Nordhausen laden sowohl in das Kunsthaus als auch in das Theater herzlich ein, zumal über die Ausstellung und die Oper hinaus das nördliche Thüringen und der Südharz immer eine Reise wert sind! bl

Welterbe Grimm zu Gast in Korea

Eröffnungszeremonie des Jikji-Festival in Cheoangju. Der Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft, Dr. Bernhard Lauer, ist unten der 6. von links.

Kassel, die Brüder Grimm und ihre Märchen-sammlung wurden in einer großen Welterbe-Ausstellung in der südkoreanischen Stadt Cheongju auf dem internationalen Jikji-Festival mit viel Applaus gefeiert. Sehen Sie hier ein Video vom Festival von YTN Korea:

Auf Einladung der südkoreanischen Stadt Cheongju präsentierte die Brüder Grimm-Gesellschaft aus Kassel auf dem diesjährigen Jikji-Festival (1. bis 21. Oktober) vor über vierhunderttausend Besuchern eine Ausstellung zum Welterbe der Brüder Grimm. Wie das sogenannte Jikji-Buch (siehe Kasten), zu dessen Würdigung das Festival abgehalten wird, sind auch die „Kinder und Hausmärchen“ der Brüder Grimm "Weltdokumentenerbe" der UNESCO.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Ansichten und Dokumente aus der Kasseler Zeit der Brüder Grimm sowie Zeichnungen und Druckgrafiken ihres Malerbruders Ludwig Emil Grimm. Ein besonderer Teil der Ausstellung war natürlich der weltweiten Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte der Grimmschen Märchensammlung gewidmet, in dem neben den wertvollen Buchausgaben vom 16. bis 20. Jahrhundert vor allem herausragende Märchenillustrationen deutscher Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert wurden. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich die Abgüsse der vom Neffen der Brüder Grimm, Carl Hassenpflug, geschaffenen Büsten der beiden Sprachwissenschaftler und Märchensammler. Die gesamte Schau wurde in koreanischer und englischer Sprache dokumentiert und beschriftet.

„Für die Kasseler Brüder Grimm-Gesellschaft war die Einladung zu einer so herausragenden Veranstaltung eine große Anerkennung und Ehre,“ sagt Dr. Bernhard Lauer, Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft. Er war persönlich zur Ausstellungseröffnung nach Südkorea gereist und erhielt zahlreiche positive Rückmeldungen vor Ort. Außerdem freute er sich, dass er „für die Kasseler Sammlungen gleichzeitig auch zahlreiche neue illustrierte Ausgaben der ‚Kinder- und Hausmärchen‘ sowie Dokumente zur koreanischen Märchen- und Sagentradition“ zusammentragen konnte.

Was ist das Jikji-Buch?

Das Jikji-Festival findet alle zwei Jahre in der südkoreanischen Großstadt Cheongju statt, dauert 21 Tage und hat dieses Jahr über vierhunderttausend Besucher aus dem In- und Ausland angezogen. Die Stadt Cheongju liegt 120 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul und besitzt etwa 800.000 Einwohner. Das Thema des Festivals ist das sogenannte Jikji-Buch, ein buddhistischer Text, der als das weltweit älteste mit metallenen Lettern gedruckte Buch gilt. Gedruckt wurde er im Jahre 1377 in Cheongju, also über 80 Jahre bevor Gutenberg in Deutschland die erste Bibel druckte. Seit 2001 ist das Jikji-Buch Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO und wird mit dem alljährlichen Jikji-Festival mit Präsentationen zur Buchdruckkunst und Literaturgeschichte geehrt. Die Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm sind auf Antrag der Brüder Grimm Gesellschaft seit 2005 ebenfalls Weltdokumentenerbe der UNESCO. Mehr Informationen
auf Wikipedia.

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